Ärzte Zeitung online, 03.04.2009

17 000 neue Pfleger gegen Notstand in Kliniken

BERLIN (dpa). Gegen einen drohenden Pflegenotstand in deutschen Krankenhäusern sollen möglichst rasch bis zu 17 000 Krankenschwestern und Pfleger eingestellt werden. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte sich optimistisch, dass auch dieser Teil der seit Ende März geltenden Klinik-Finanzreform bald umgesetzt wird.

"Das wird laufen", sagte Schmidt nach einem "Pflegegipfel" mit Vertreter von Pflegern, Kassen, Ärzten und Kliniken am Donnerstag in Berlin. "Es passiert etwas in den Krankenhäusern", versicherte Schmidt.

Der Deutsche Pflegerat schlug im Namen von insgesamt 1,2 Millionen Pflegenden in Deutschland zurückhaltendere Töne an. Der Abbau von 50 000 bis 70 000 Pflegestellen in den vergangenen Jahren werde nicht ausgeglichen, sagte Präsidentin Marie-Luise Müller.

Dabei gibt es auch nach Ansicht Schmidts immer mehr ältere Patienten und schwere Pflegefälle, während mehr Patienten mit leichteren Krankheiten gar nicht mehr ins Krankenhaus kommen. Doch Müller zeigte sich zugleich erleichtert über die Weichenstellungen hin zu wieder mehr Pflege, auf deren Qualität zudem besser Acht gegeben werden soll.

So soll das Einstellungsprogramm ausschließlich über drei Jahre hinweg ausgebildete Pflegekräfte anlocken. In Hilfskräfte werde nicht investiert, betonte der Spitzenverband der Krankenversicherung. Verbandschefin Doris Pfeiffer sagte: "Pflege ist nicht nur ein Kostenfaktor." In den nächsten drei Jahren können die Stellen laut der Klinikfinanzreform zu 90 Prozent durch die Krankenkassen finanziert werden.

Zudem soll besonders aufwendige Pflege bald besser bezahlt werden. Außerdem soll die Qualität der Pflege der Krankenhäuser regelmäßig bewertet werden, beschlossen die Teilnehmer des Spitzentreffens. Der Kassen-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft einigten sich zudem auf Mittel von mehr als einer Milliarden Euro, mit denen ein Teil der Lohnsteigerungen in den Krankenhäusern bezahlt werden. Auch dies ist eine Vorgabe der Klinikfinanzreform.

Schmidt mahnte: "Nur wenn wir es schaffen, die Attraktivität des Pflegeberufs zu sichern, wird es auch künftig den dringend nötigen Pflegekräftenachwuchs geben." Zwar gebe es noch genug Bewerber, aber viele junge Pflegekräfte stiegen schon nach wenigen Jahren wieder aus, weil ihnen der Stress auf den Stationen oft zu groß werde. "Hier haben wir ein Problem." Außerdem suchten Schwestern zwischen 45 und 50 häufig andere Berufe, da die Tätigkeit mit steigendem Alter schwieriger werde.

Die finanziell teilweise stark gebeutelten Kliniken bekommen in diesem Jahr mit der Reform eine Geldspritze von mehr als drei Milliarden Euro. Von den gesetzlichen Kassen erhalten die rund 2100 Kliniken 2009 etwa 56 Milliarden Euro. Mit Massenprotesten hatten Klinikbeschäftigte trotz der Reform vor Einschnitten für die Patienten gewarnt.

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