Ärzte Zeitung, 07.04.2009

Wie "Report" den "Krieg im Wartezimmer" inszeniert

Politik-Magazine im Fernsehen sind treue Begleiter der Gesundheitspolitik - so auch "Report Mainz".

Von Florian Staeck

"Report Mainz" inszeniert den "Krieg im Wartezimmer"

Foto: SWR

Martialisch müssen die Sieben-Minuten-Beiträge in dem TV-Format klingen, sonst zappt der Zuschauer weg. Also erfand die Redaktion am Montagabend den "Krieg im Wartezimmer - Wie Hausärzte Patienten in die AOK zwingen wollen". Drehort war - wie so häufig - Bayern.

Das Strickmuster des Beitrags blieb simpel: Man nehme - erstens - eine Betroffene; hier eine AOK-Versicherte, die sich beklagt, sie sei "über Monate bedrängt" worden, ihre Kinder in den AOK-Hausarztvertrag einzuschreiben. Begründung: der Hausarzt habe seine Praxis aufwendig renoviert. Dann erfolgt - zweitens - ein scharfer Schnitt. Der in der Regel medienunerfahrene Arzt wird vom TV-Team aufgesucht und mit den Vorwürfen konfrontiert.

Praxisrenovierung und Einschreibung von Patienten - das passt nicht zusammen. Der betreffende Arzt muss vor der Kamera schlecht wegkommen. Anschließend wird - drittens - in wenigen Versatzstücken der gesundheitspolitische Hintergrund beleuchtet: Hausärzte setzen auf den AOK-Vertrag, weil er mehr Honorar bringt als die Regelversorgung. Immerhin: Die Aussage eines Hausarztes, alle Patienten seien ihm "gleich lieb", wird nicht weggeschnitten.

Im vierten Schritt -  die AOK Bayern äußert sich nur schriftlich -  kommt ein Verbandsvertreter zu Wort, der den Prügel gegen Ärzte schwingt: Thomas Ballast, Vorsitzender des Ersatzkassenverbands vdek, hält das Verhalten vieler Ärzte für "unerträglich" und wirft ihnen "illegales" Verhalten vor. Bis zu vier Milliarden Euro zusätzlich koste es die Beitragszahler, weil die Kassen Hausarztprogramme anbieten müssen. Hinterfragt wird diese Zahl nicht.

Erst am Schluss wird es spannend: Was ist ein Gesundheitssystem wert, fragt Moderator Fritz Frey, dem es nicht gelingt, eine angemessene Bezahlung von Ärzten zu organisieren? Das wäre ein Thema für die nächste "Report Mainz"-Sendung.

[09.04.2009, 08:05:32]
Dr. Andreas Streller  streller@teleos-web.de
Das Dilemma in einer Ausgabe der ÄZ
"Die Kasse muss dem Patienten nun drei ärztlich verordnete Versorgungen pro Woche mit Kosten von jeweils 133 Euro bezahlen." - Stichwort Blasenkatheter Versorgung durch Pflegedienst versus 80.-€ Quartal (!) HzV BaWü bzw. knapp 50.-€ RLV - Da fehlen mir die Worte. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »