Ärzte Zeitung, 18.05.2009

KKH-Chef warnt vor Engpässen in der fachärztlichen Versorgung

Kailuweit: Allein in der Rheumatologie fehlen 1000 Spezialisten / Ärzte-Bedarfsplanung stärker nach Regionen und Erkrankungen ausrichten

BERLIN (hom). Der Chef der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH), Ingo Kailuweit, hat vor einem Mangel an Fachärzten in Deutschland gewarnt. "In bestimmten Diagnosebereichen fehlen erhebliche fachärztliche Kapazitäten", sagte er der "Ärzte Zeitung".

Allein im Bereich der Rheumatologie gebe es bundesweit einen Bedarf von knapp 1000 Fachärzten. In der Diabetologie sei die Situation nicht wesentlich entspannter. Auch hier fehle es an spezialisierten Ärzte, um eine stark ansteigende Zahl von Diabetikern adäquat versorgen zu können. "Wir haben in vielen Bereichen entweder keine Diagnostik oder eine erheblich verspätete Diagnostik", kritisierte Kailuweit.

Rheuma-Patienten beispielsweise müssten mitunter bis zu einem halben Jahr warten, bis sie einem Spezialisten vorgeführt werden. Dieser Zustand führe zu erheblichen Kosten in der Therapie "nur weil die Diagnostik nicht richtig funktioniert". Die Ärzte-Bedarfsplanung müsse stärker nach regionalen Bedarfen und nach den Erkrankungen der Bevölkerung ausgerichtet werden, forderte der KKH-Chef. "Darauf reagieren wir im Zulassungsverfahren derzeit überhaupt nicht. Stattdessen gibt es eine Empfehlung, die lautet: Pro 100 000 Einwohner so und so viel Facharzt- und Hausarztdichte." Das aber spiegele den tatsächlichen Versorgungsbedarf nicht wider.

Kritik übte der KKH-Chef auch am Gesundheitsfonds. Die damit einhergehende Ablösung der Finanzautonomie der Kassen habe für das Gesundheitssystem "überhaupt keinen Vorteil" gebracht. "Es hat nur dazu geführt, dass wir noch mehr Verwaltungsaufwand auf der Einnahmeseite betreiben müssen." Die Gretchenfrage nach der Bundestagswahl laute: "Wie schaffen es die großen Parteien, Korrekturen vorzunehmen, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren?"

Auch der Chef der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK), Professor Herbert Rebscher, nannte die Entscheidung, den Kassen ihre Finanzautonomie zu nehmen, "falsch". Jede staatliche Beitragsfestsetzung gerate nun "zum Politikum ersten Ranges", schreibt Rebscher in einem Beitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Falsch sei es auch gewesen, regionale Verhandlungspreise durch bundesweite Einheitspreise "zeitlich übergangslos" zu ersetzen.

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