Ärzte Zeitung, 28.05.2009

Ersatzkassen legen Mustervertrag für die ambulante Palliativversorgung vor

Bis Ende 2009 wollen die Ersatzkassen den Rechtsanspruch auf eine spezialisierte Palliativversorgung umsetzen.

Von Anno Fricke

Stellte einen SAPV-Mustervertrag vor: Thomas Ballast, Chef des Ersatzkassenverbands.

Foto: di

BERLIN. Mit einem Mustervertrag zur Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) ergänzt der Verband der Ersatzkassen (VDEK) das palliativmedizinische Angebot. Damit wollen die Ersatzkassen ihren Versicherten eine Betreuung zu Hause ermöglichen und Krankenhauseinweisungen in den letzten Lebenstagen vermeiden.

In Hessen und Nordrhein-Westfalen ist der Vertrag bereits teilweise umgesetzt. In Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt, Bayern und Niedersachsen laufen derzeit Verhandlungen. Bei der Vorstellung des Vertrages kündigte VDEK-Chef Thomas Ballast eine flächendeckende Versorgung noch für 2009 an. Der Vertrag könne in Zusammenarbeit mit anderen Kassen je nach Bedarf regional unterschiedlich ausgestaltet werden.

"Wir streben keine Exklusivität an", sagte Ballast. Er räumte ein, dass nach wie vor umstritten sei, ob die SAPV außerhalb der vertragsärztlichen Versorgung laufen könne. Für den VDEK sei dies keine Frage. "Nicht alle Vertragsärzte erfüllen die hohen Qualitätsansprüche an die spezialisierte ambulante Versorgung", sagte Ballast. Vertragspartner sollen vielmehr interdisziplinäre Palliativ-Care-Teams aus speziell weitergebildeten Ärzten und Pflegekräften sowie Physiotherapeuten, Apothekern und Sanitätshäusern sein.

Zusätzlich zu den fachlichen Voraussetzungen müssen die Teams ausreichende Kapazitäten und eine 24-stündige Rufbereitschaft nachweisen. Den Bedarf schätzen die Ersatzkassen auf ein SAPV-Team je 250 000 Einwohner.

Die SAPV geht zurück auf die Gesundheitsreform 2007. Der darin festgeschriebene Anspruch der Versicherten auf diese Leistung steht bislang weitgehend nur auf dem Papier. Von den für 2007 und 2008 dafür vorgesehenen 210 Millionen Euro seien bislang lediglich drei Millionen für Einzelprojekte abgerufen worden, sagte Thomas Schindler, der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin. Schindler begrüßte die Ankündigung der Ersatzkassen, die Genehmigungen für die SAPV bürokratiefrei gestalten zu wollen. "Die Betroffenen haben keine Zeit", sagte Schindler.

Mit der SAPV werde Neuland betreten, sagte Schindler. Details der Unterbringung der SAPV in den Budgets und bei der Arzneimittelversorgung seien noch ungeklärt. Bislang liefen die ärztliche und die pflegerische Betreuung isoliert nebeneinander her, sagte Schindler. Dies solle sich mit der Bündelung von Kompetenz in Teams ändern. Ausreichend geeignetes Personal sowohl auf der medizinischen als auch auf der pflegerischen Seite zu finden, werde schwer. Auf die Weiterbildung und die Qualitätssicherung in den anlaufenden Projekten müsse daher besonderes Gewicht gelegt werden.

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