Ärzte Zeitung, 24.06.2009

Ärzte sind auch als Reformerklärer gefragt

Viele Bundesbürger blicken bei gesetzlichen Neuerungen im Gesundheitswesen nicht durch. Ihr fragender Blick richtet sich immer öfter an den Arzt.

Von Thomas Hommel

Die Praxis als Infostand zur Gesundheitsreform? Vielen Ärzten dürfte dafür die Zeit fehlen.

Foto: bilderbox©www.fotolia.de

BERLIN. Egal, ob Gesundheitsfonds, Hausarztmodelle oder Wahltarife -bei vielen gesundheitspolitischen Reformen haben die Bundesbürger keinen Schimmer, worum es eigentlich geht.

Das geht aus einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter mehr als 2000 gesetzlich und privat Krankenversicherten hervor (wir berichteten).

Laut Studie beklagen 45 Prozent der Bundesbürger, sie fühlten sich über gesundheitspolitische Veränderungen nicht ausreichend informiert. Besonders groß sind die Wissenslücken bei den Themen Gesundheitsfonds und Hausarztmodelle: 22 Prozent der Befragten können auch ein halbes Jahr nach Einführung des Gesundheitsfonds so gut wie nichts mit dem neu geschaffenen Finanzpool innerhalb der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) anfangen. Hausarztmodelle wiederum stellen für 29 Prozent der Bundesbürger ein Buch mit sieben Siegeln dar.

Dass sie Mängel beim Wissen über Veränderungen im Gesundheitswesen haben, wird laut Umfrage vor allem von jüngeren Menschen berichtet. Mit steigendem Alter wächst der Anteil derer, die angeben, bei gesundheitspolitischen Reformen ausreichend im Bilde zu sein. Praktisch keine Unterschiede bei dieser Einschätzung gibt es bei Männern und Frauen. Ebenso nachrangig ist, welchen Schulabschluss die Befragten haben.

Gefragt danach, von welchen Akteuren sie über die Neuerungen im Gesundheitswesen informiert werden möchten, nennen 64 Prozent der Bundesbürger die Krankenkassen. 45 Prozent der Befragten würden am liebsten einen "Arzt des Vertrauens" zu Rate ziehen.

Der KBV-Vorstand betrachtet dieses Ergebnis der Umfrage mit gemischten Gefühlen. Einerseits sei das ein Beweis für das sehr enge Vertrauensverhältnis vieler Patienten zu ihrem Arzt, sagte KBV-Vize Dr. Carl-Heinz Müller bei der Vorstellung der Studie am Montag in Berlin. Andererseits werde der Arzt aber auch immer mehr in die Rolle des "Gesundheitsmanagers" hineingedrängt, der seinen Patienten - neben Fragen zu Diagnostik und Therapie - auch Vor- und Nachteile der verschiedenen Leistungsangebote der Krankenkassen erklären solle.

"Da ist mittlerweile eine Unübersichtlichkeit entstanden, wo ich jeden bedauere, der Patienten beraten soll", sagte der Vorstandsvorsitzende der KBV, Dr. Andreas Köhler. Der Arzt könne für den Patienten ein guter "Lotse" durch das oftmals komplexe Gesundheitssystem sein. Als Gesundheitsmanager sei er aber womöglich überfordert.

Auf jeden Fall müssten die Ärzte von den Krankenkassen besser informiert werden über das, was diese ihren Versicherten an neuen Leistungen und Wahltarifen anbieten. Hier sei mehr Transparenz nötig.

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