Ärzte Zeitung, 15.07.2009

Südwest-AOK gibt eigenem Vertrag der Pädiater keine Chance

Die Versorgung von Kindern in Baden-Württemberg ist zum Politikum geworden. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte will wie in Bayern einen eigenen Vertrag, die AOK lehnt dies ab.

Von Florian Staeck

Südwest-AOK gibt eigenem Vertrag der Pädiater keine Chance

Ein eigener Vertrag ist für die Kinderärzte in Baden-Württemberg vorerst nicht in Sicht.

Foto: Race©www.fotolia.de

STUTTGART. Zur Zeit reden die Akteure nur noch übereinander, nicht miteinander. Was ist passiert? Schon seit 2007 hat es immer wieder Gespräche zwischen der AOK, Hausärzteverband und Medi auf der einen Seite und dem BVKJ auf der anderen Seite gegeben. Bislang ist der Hausarztvertrag für Pädiater ein Niemandsland: nur 21 von etwa 800 Kinder- und Jugendärzten machen mit. "Wir kommen nicht zueinander", seufzt AOK-Chef Dr. Rolf Hoberg.

Die Kasse lehnt einen exklusiven Vertrag mit dem BVKJ ab und drängt stattdessen darauf, pädiatrische Versorgungsinhalte im bestehenden Hausarztvertrag abzuwickeln. Unmöglich, sagt dazu der BVKJ-Landesvorsitzende Dr. Klaus Rodens: "Wir können kein Vertragsverhältnis in einer Unterordnung akzeptieren", sagt der Kinderarzt der "Ärzte Zeitung".

Man spiele "auf Augenhöhe" mit den anderen Verbänden, schließlich seien 95 Prozent der Kollegen der Fachgruppe im BVKJ organisiert, so Rodens. Selbstverständlich könne man sich einen Vertrag außerhalb der KV - mit Bereinigung der Gesamtvergütung - vorstellen, sagt Rodens. Nur komme dabei eine Abrechnung über die Hausärztliche Vertragsgemeinschaft (HÄVG) nicht in Frage. Für AOK-Chef Hoberg gibt es dagegen keine Kompromisse: "Wir können uns es nicht leisten, mit jedem Fachverband ein eigenes Abrechnungssystem zu etablieren."

Hausärzteverbands-Chef Dr. Berthold Dietsche ist über die "Marketingwelle" des BVKJ sichtlich genervt. Es gehe nicht an, dass Pädiater pauschal die Qualifikation von Hausärzten zur Behandlung von Kindern in Frage stellten. Ebenso sei es "nicht hinnehmbar", dass der BVKJ "mit allen Mitteln versucht, die exklusiven Behandlungsrechte für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren zu erobern", sagt der Hausärzte-Chef.

Das Frostklima zwischen den Hausärzten, AOK und dem Kinderärzte-Verband hat auch mit der unterschiedlichen Vergütungs-Philosophie zu tun. "Wir verfolgen das Prinzip der Pauschalierung", stellt Hoberg klar. Der Hausarztvertrag mache deutlich, dass man "die alte Einzelleistungsideologie hinter sich lassen will", ergänzt Dietsche.

Das sieht BVKJ-Verbandschef Rodens völlig anders. Die Pauschalierung sei problematisch, weil im Hausarztvertrag beispielsweise Präventionsleistungen "im Nirwana einer Pauschale versenkt" würden.

Für den BVKJ kommt das Gute aus Bayern: Im Vertrag zur Pädiatriezentrierten Versorgung mit der AOK Bayern würden zum ersten Mal sozialmedizinische Fragen angegangen, wirbt Kinderarzt Rodens. Der Vertrag passe sich "modernen Herausforderungen" der Pädiatrie an, weil darin auch neue Probleme wie Kinder mit ADHS oder Adipositas abgebildet würden. Die Antwort aus Baden-Württeberg ist kühl: Für Hausärzte-Chef Dietsche entspringt der Pädiater-Vertrag "einer anderen Welt". AOK-Chef Hoberg wundert sich "über die Kraft der AOK Bayern" -  und macht klar, auch politischer oder öffentlicher Druck werde die Südwest-AOK "nicht in unwirtschaftliche Verträge nötigen".

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