Ärzte Zeitung, 20.07.2009

Hersteller fürchten Dammbruch bei Aut-idem-Regelung

Rechtsgutachten warnt vor Haftungsrisiken für Ärzte

BERLIN (ble). Zwischen Pharmaherstellern, Bundesgesundheitsministerium und Krankenkassen bahnt sich eine erbitterte Auseinandersetzung um die Aut- idem-Regelung bei Rabattverträgen an. Ein Gutachten warnt vor Haftungsrisiken für Ärzte.

Hersteller fürchten Dammbruch bei Aut-idem-Regelung

Hintergrund des Streits ist die Auffassung von Ministerium, GKV-Spitzenverband und AOK, wonach bei Rabattverträgen Arzneimittel künftig auch dann austauschbar sein sollen, wenn deren zugelassene Anwendungsbereiche nur teilweise übereinstimmen (wir berichteten). "Nur um ein paar Cent oder Euro zu sparen", sollten Patienten mit Packungsbeilagen allein gelassen werden, auf denen weder ihre Krankheit, Dosierungsanleitungen noch Hinweise auf Kontraindikationen aufgelistet sind, sagte Peter Schmidt, Geschäftsführer des Branchenverbands Pro Generika, auf einer mit dem Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH), dem Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) und dem Verband forschender Arzneimittelhersteller (VFA) veranstalteten Pressekonferenz. Patientenschutz, Therapiesicherheit und Compliance blieben so aber auf der Strecke.

Nach Ansicht des Sozialrechtlers und Arztes Christian Dierks, der für die Herstellerverbände ein Gutachten verfasst hat, gehen Ärzte unkalkulierbare Risiken ein, wenn sie sich auf die von Ministerium und Kassen vorgesehene Auslegung der Autidem-Regelung einlassen. Der Arzt müsse den Off-Label-Use von Medikamenten nämlich verhindern, wenn es zugelassene Alternativen gibt. Dr. Christopher Hermann, Chefunterhändler für die Rabattverträge des AOK-Systems, wies die Kritik zurück.

Lesen Sie dazu auch:
Pharmafirmen geißeln Sparpläne der Kassen

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Weniger Lärm, mehr Sachlichkeit!

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Epidemiologische Kaffeesatzleserei?

Verursacht oder verhindert der Konsum von Kaffee Krankheiten? Die Klärung solcher Fragen zur Ernährung ist methodisch ein richtiges Problem. mehr »

Trotz Budgetierung gute Chancen auf Mehrumsatz

Seit vier Jahren steht das hausärztliche Gespräch als eigene Leistung im EBM (03230) . Immer wieder ist daran herumgeschraubt worden. mehr »

Erstmals bekommt ein Kind zwei Hände verpflanzt

Ein achtjähriger Junge mit einer tragischen Krankheitsgeschichte bekommt zwei neue Hände. Die Op ist ein voller Erfolg: Anderthalb Jahre später kann er schreiben, essen und sich selbstständig anziehen. mehr »