Ärzte Zeitung, 13.08.2009

Da waren es nur noch 186 - Kassen im Fusionsfieber

Gegenwärtig gibt es noch 186 selbstständige Krankenkassen - und es werden immer weniger.

Von Dieter Leopold

Die gesetzliche Krankenversicherung wird zurzeit von einer nie da gewesenen Fusionswelle über alle Krankenkassen-Arten hinweg bestimmt. Da seit Einführung des Gesundheitsfonds ein bundeseinheitlicher Beitragssatz von derzeit 14,9 Prozentpunkten gilt, können die noch bestehenden 177 gesetzlichen Krankenkassen (ohne die neun landwirtschaftlichen Kassen, für die Sonderregelungen gelten) nicht mehr einfach höhere Beiträge von ihren Mitgliedern verlangen, sondern nur zum Mittel des Zusatzbeitrages greifen. Allerdings suchen die Kassen vor diesem Schritt ihr Heil in Fusionen.

Da waren es nur noch 186 - Kassen im Fusionsfieber

Zu Beginn des Krankenkassen-Wettbewerbs im Jahr 1996 gab es noch über 1200 Kassen, zurzeit sind es noch 186. Doch etliche Chipkarten dürften bald vom Markt verschwinden, denn das Fusionskarussell dreht sich weiter.

Foto: imago

  • AOK-System: Dabei steht auch das scheinbar eherne AOK-System vor einer Neuordnung: Die AOKen Berlin und Brandenburg werden zum 1. Januar 2010 fusionieren. Die neue Krankenkasse mit Hauptsitz in Potsdam wird mit über 1,3 Millionen Versicherten die größte Krankenkasse der Region. Die Selbstverwaltungsgremien beider Krankenkassen haben der Fusion zugestimmt. Der Beschluss ist möglicherweise nur der erste Schritt, weil es um eine Neuordnung "im Nordosten des AOK-Systems" gehe, also unter Einbeziehung von Mecklenburg-Vorpommern. Doch an der Küste will man von einer Fusion im Augenblick nichts wissen.

Eine AOK-Fusion bahnt sich auch in Nordrhein-Westfalen an. "Wir führen Gespräche mit der AOK Westfalen-Lippe, und ich bin zuversichtlich, dass wir im kommenden Jahr zu einem Zusammenschluss kommen", sagte der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Hamburg, Wilfried Jacobs. Während die AOK Rheinland-Hamburg 2,83 Millionen Versicherte und 7300 Mitarbeiter aufweist, hat die AOK Westfalen-Lippe 2,07 Millionen Versicherte und 5000 Mitarbeiter. Noch offen ist, ob Düsseldorf oder Dortmund Sitz der neuen Kasse wird.

Das AOK-System verzeichnet damit vier Fusionen, nachdem sich 2006 die AOKen im Rheinland und in Hamburg zusammengeschlossen hatten, ein Jahr später auch Thüringen und Sachsen. Die AOK Sachsen-Anhalt (750 000 Versicherte) und die BKK Sachsen-Anhalt (13 000 Versicherte) gehen ebenfalls zusammen, und zwar schon seit 1. April 2009.

  • BKK-System: Die meisten Fusionen gibt es bei den Betriebskassen: In Baden-Württemberg und Hessen werden sich zum 1. Januar 2010 drei BKKen, nämlich die BKK Gesundheit, die BKK Fahr und die Taunus BKK zusammenschließen. Dadurch entsteht die bundesweit größte BKK mit rund 1,5 Millionen Versicherten. Bereits zum 1. August haben Novitas BKK und ABC-BKK fusioniert.
  • Ersatzkassen: Von der "Fusionitis" sind auch die Ersatzkassen ergriffen. Die DAK und die Hamburg Münchener Krankenkasse (HMK) gehen ab 1. Januar 2010 gemeinsame Wege. Die neue Kasse wird rund 6,3 Millionen Versicherte haben und "DAK Unternehmen Leben" heißen.

Zwei Fusionen hat die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) in diesem Jahr bereits zustande gebracht. Zum 1. April 2009 schloss sie sich mit der BKK der Allianz zur KKH Allianz zusammen und zum 1. Juli 2009 wurde die BKK der Metro AG Kaufhof in den Verbund integriert. Derzeit verhandelt die KKH Allianz noch mit mehreren anderen Anbietern über mögliche Kooperationen oder Fusionen. Die Barmer Ersatzkasse (BEK) und die Schwäbisch Gmünder Ersatzkasse (GEK) sprechen ebenfalls über eine Fusion. Mit zusammen 8,5 Millionen Versicherten würde dabei die größte Krankenkasse bundesweit entstehen. Weder BEK noch GEK wollen die Pläne bisher bestätigen.

Eine Fusion hinter sich hat bereits die Techniker Krankenkasse die am 1. Januar 2009 die IKK direkt übernommen hat und damit zur größten deutschen Kasse mit 7,1 Millionen Versicherten wurde.Ein Jahr zuvor hatten sich die Handelskrankenkasse und die IKK Weser-Ems zusammengeschlossen.
Von Gesetzes wegen wurden zum 1. Januar 2008 die See-Krankenkasse und die Deutsche Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See vereinigt - unter der Bezeichnung Knappschaft.
Insgesamt (Stand: 1. August 2009) gibt es derzeit noch 186 gesetzliche Krankenkassen, nämlich 15 AOKen, 140 BKKen, 13 IKKen, 8 Ersatzkassen, neun landwirtschaftliche Krankenkassen und die Knappschaft.

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