Ärzte Zeitung, 01.02.2010

Das Finanzpolster der Kassen schmilzt dahin

"Keine Zusatzbeiträge in 2010!" Viele Krankenkassen werben derzeit mit dieser frohen Botschaft. Aber wie lange werden sie ihre Zusagen halten können?

Von Rebecca Beerheide

Das Finanzpolster der Kassen schmilzt dahin

Welche Versicherte in der GKV sind als nächstes von weiteren Zusatzbeiträgen betroffen? © dpa

BERLIN. Der Münchner Gesundheitsökonom Professor Günter Neubauer hält die Versprechen vieler Kassen, zunächst keine Zusatzbeiträge erheben zu wollen, für rein wettbewerbspolitische Aussagen. "Einige werden zähneknirschend eingestehen müssen, dass es doch nicht reicht", sagte Neubauer der "Ärzte Zeitung". Die Aussagen der Kassen zum Zusatzbeitrag seien rechtlich nicht bindend.

Viele Kassen werben derzeit damit, dass sie im laufenden Jahr keine zusätzlichen Beiträge erheben müssen. Dazu zählt etwa die AOK Hessen, die eine entsprechende Werbekampagne fährt.

Neubauer geht davon aus, dass letztendlich nur wenige kleine Kassen ohne Zusatzbeiträge auskommen werden. "Die Kassen, die derzeit keine zusätzlichen Beiträge erheben, haben in den vergangenen Jahren Rücklagen aufgebaut. Dieses Vermögen wird jetzt aufgelöst."

Über ein solches Finanzpolster verfügt eigenen Aussagen zufolge die IKK classic, die Anfang dieses Jahres aus der Fusion vier regionaler IKKen hervorgegangen ist und bei der rund 1,8 Millionen Menschen versichert sind. "Alle vier Kassen haben gut gewirtschaftet", sagte Sprecherin Franziska Becher. Auch bei der Barmer GEK, Deutschlands größter Krankenkasse, seien Zusatzbeiträge "momentan" kein Thema, sagte Sprecher Athanasios Drougias. "Wir verfügen über ein Finanzpolster, das uns sehr hilft." Die Situation könne sich aber schnell ändern.

Dabei profitieren viele Kassen, die viele ältere, kranke- oder multimorbide Versicherte haben, von den Strukturzuweisungen aus dem Gesundheitsfonds. Gerade die AOKen hätten bei den Zuweisungen aus dem Fonds eine deutlich höhere Pauschale für Verwaltung erhalten als andere Kassenarten, sagte Neubauer. Wenn nun Verwaltungskosten verschlankt würden, könne länger mit dem zugewiesenen Geld gehaushaltet werden.

Die AOK Plus mit Sitz in Thüringen und Sachsen, sieht aber kaum "deutlich positive Effekte" von den Zuweisungen aus dem Morbi-RSA, so Sprecherin Hannelore Strobel.

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