Ärzte Zeitung online, 24.03.2010

AOK: Bald alle großen Wirkstoffe unter Vertrag

FRANKFURT/MAIN (cw). Noch eine kleinere Ausschreibung nach Ostern, dann hat die AOK alle bedeutenden generischen Wirkstoffe unter Rabattvertrag.

AOK: Bald alle großen Wirkstoffe unter Vertrag

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Wie der Vizechef der AOK Baden-Württemberg, Dr. Christopher Hermann, am Mittwoch bei einer Kongressveranstaltung in Frankfurt erklärte, hat die AOK noch 13 Wirkstoffe für eine fünfte Ausschreibung in petto. Die Vorabinformation an Pharmahersteller sei bereits erfolgt, nach Ostern soll die Ausschreibung im europäischen Amtsblatt veröffentlicht werden. Umsatzstärkster Wirkstoff des neuen Tenders sei der Gerinnungshemmer Clopidogrel, so Hermann. Mit dieser Rabattausschreibung habe die AOK dann sämtliche markt- und ausgabenrelevante Wirkstoffe unter Vertrag. Es sei nicht beabsichtigt, Nachlässe für weitere Wirkstoffe zu fordern. Für dieses Jahr erwartet Hermann, dass allein im AOK-System rund eine Milliarde Euro durch individuelle Rabatte der Generikahersteller eingespart werden.

Rabattverträge seien heute ein etabliertes und akzeptiertes Wettbewerbsinstrument, so der AOK-Vize weiter. Er bedauere die aktuelle Initiative von Unionspolitikern, solche Vereinbarungen wieder entschärfen zu wollen. Hermann bezeichnete dieses Vorhaben als "schlimmste Staatsregulierung", die er "von der Union nicht erwartet hätte".

Zugleich bestritt Hermann, dass durch die Ausschreibungen ein ruinöser Konkurrenzkampf zwischen den Nachahmerproduzenten in Gang gesetzt werde, der schlussendlich zur Bildung von Oligopolen führt. Heute hätten weit mehr kleine Hersteller eine Chance im Generikageschäft als vor der Einführung des Rabattwettbewerbs. Zudem achte man darauf, dass keiner Preisdumping betreibe. Im Verlauf der zurückliegenden 4. Ausschreibung über 80 Wirkstoffe, deren Verträge ab 1. April gelten, habe man auch Angebote abgelehnt, weil sie für den Hersteller nicht hätten auskömmlich sein können.

Hermann kritisierte in Frankfurt erneut auch die aktuell kursierenden Zahlen zu den Effekten der Rabattverträge für die GKV. So sei die Angabe aus Unionskreisen, vergangenes Jahr habe die GKV 380 Millionen

gespart, unrealistisch. Allein der AOK hätten die Ausschreibungen 2009 rund 400 Millionen Euro gebracht. Konkrete Zahlen seien im Sommer zu erwarten, nachdem die Kassen voraussichtlich im Mai und Juni ihre Wirtschaftsdaten vorlegen werden.

Der GKV-Spitzenverband beziffert die Einsparungen durch Rabattverträge mit 500 Millionen Euro, der Branchenverband ProGenerika mit 750 Millionen Euro und der Marktforscher IMS mit 820 Millionen Euro. Derzeit sind laut Insight Health etwa 70 Prozent aller Generika unter Rabattvertrag, bei den Altoriginalen 17 Prozent und im Patentmarkt sechs Prozent aller Substanzen.

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