Ärzte Zeitung, 13.04.2010

Kassen sehen Ärzte schlichtweg falsch verteilt

GKV-Verband legt Papier zu Bedarfsplanung vor

BERLIN (hom). Nach Ansicht des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen kann von einem "generellen" Ärztemangel in Deutschland keine Rede sein. Ärzte seien nur falsch verteilt.

Ein Blick auf die Arztzahlen in den vergangenen 20 Jahren zeige vielmehr, dass sich die Anzahl ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte um rund 46 000 erhöht habe, heißt es in einem internen Positionspapier des GKV-Spitzenverbandes, das der "Ärzte Zeitung" vorliegt. Aufgrund der Überversorgung mit Ärzten seien derzeit nahezu sämtliche Kreise für weitere Neuniederlassungen gesperrt.

Gleichwohl sei die Versorgung durch Vertragsärzte "nicht überall so, wie es wünschenswert wäre". Während es in Städten und Ballungsgebieten zu viele Ärzte gebe, fehlten diese auf dem Land. Um eine flächendeckende wohnortnahe Versorgung auch künftig sicherstellen zu können, müsse die Primärversorgung in Gestalt von Haus-, Kinder- und Frauenärzten weiter gestärkt und im Gegenzug dazu die fachärztliche Versorgung abgebaut werden, da es in diesem Bereich Überkapazitäten gebe. Fachärztliche Kompetenz könne stärker in Kliniken und spezialisierten Zentren gebündelt werden, so die Empfehlung des Kassenverbands. Hausärzte wiederum könnten von nichtärztlichen Leistungserbringern sowie der Nutzung von Telemedizin entlastet werden.

Facharztverbände dagegen betonten, auf dem Land fehle es derzeit vor allem an Fachärzten. Die finanziellen Anreize, sich dort niederzulassen, seien oft zu gering.

Topthema Ärztemangel in Deutschland:
Wie die Kassen den Ärztemangel vermeiden wollen
Fachärzteverband fordert bessere Konditionen für Versorgung auf dem Land
Neurologen wehren sich gegen Angriff des GKV-Spitzenverbands
KBV-Chef wirft "Spiegel" falsche Behauptungen vor
Juristen halten Landarztquote für falschen Ansatz
Für Landräte gilt: Hausärzte als Hauptsache
Ärztemangel: Senioren sichern Versorgung

Von der Leyen fordert Nachwuchs-Initiative
Ja zur Karriere - aber bitte mit Kindern!

Schweizer mit Nachwuchssorgen bei Hausärzten

Kommentar: Signal in die falsche Richtung

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »