Ärzte Zeitung online, 30.06.2010

Kassen machen Gesundheitsfonds für Finanzmisere mitverantwortlich

BERLIN (dpa). Der Anfang 2009 eingeführte Gesundheitsfonds hat nach Einschätzung der Chefin des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen, Doris Pfeiffer, die angespannte Finanzlage der Kassen noch verschärft. "Der Fonds hat uns ein großes Problem gebracht", sagte Pfeiffer.

"Den erheben aber bislang nur wenige Kassen, weil viele eine Abwanderung ihrer Mitglieder fürchten und deshalb diesen Schritt scheuen", sagte Pfeiffer der "Saarbrücker Zeitung" (Mittwochsausgabe). Die einzige Finanzierungsmöglichkeit neben dem Einheitsbeitrag sei nun der Zusatzbeitrag. Weil die Finanzmittel dann fehlten, gerieten diese umso stärker unter Druck. "Ein Teufelskreis", meinte die Verbandschefin.

Das vom Bundeskabinett verabschiedete Arzneimittelsparpaket hält Pfeiffer für unzureichend, um die Kassen nachhaltig zu stabilisieren. "Kurzfristig lässt sich damit der Kostenanstieg nur etwas bremsen", sagte sie. Die Einsparungen würden an anderer Stelle zum Teil wieder aufgefressen. Als Beispiel nannte Pfeiffer eine Gerichtsentscheidung zum Apothekenrabatt auf Medikamente, der die Kassen wohl mit rund 330 Millionen Euro belasten werde.

Lesen Sie dazu auch:
Koalition mischt Karten im Arzneimarkt neu

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Langes Arbeiten kann tödlich sein

Eine lange Wochenarbeitszeit erhöht das Risiko für Herzerkrankungen und Krebs. Forscher konnten die Stundenzahl sogar exakt angeben, ab der sich das Risiko stark erhöht. mehr »

Ausschuss reißt Frist des Gesetzgebers

Das neue Qualitätsmaß für Pflegeheime gerät in Verzug. Eine Studie bietet eine Alternative an. mehr »

Jeder dritte Demenz-Fall vermeidbar

Finge die Demenz-Prävention bereits in der Kindheit an, könne die Krankheit bei einem Drittel aller Erwachsenen verhindert werden – so eine Studie. mehr »