Ärzte Zeitung, 21.07.2010

Training senkt Zahl der Stürze in Pflegeheimen um ein Fünftel

Projekt der AOK-Bayern zur Sturzprävention zeigt: Mit geringem Aufwand lassen sich viele Frakturen vermeiden.

Von Jürgen Stoschek

Training senkt Zahl der Stürze in Pflegeheimen um ein Fünftel

Statistisch gesehen stürzt jeder zweite Bewohner eines Pflegeheims einmal pro Jahr. Oft sind Hüftfrakturen die Folge.

© rudybaby / fotolia.com

MÜNCHEN. Ein Projekt der AOK Bayern zur Sturz- und Frakturprävention in Pflegeheimen hat zu einer Verringerung der Hüftfrakturen um rund ein Fünftel geführt. Statistisch gesehen stürze jeder zweite Bewohner einer Pflegeeinrichtung einmal im Jahr, erläutert der Vorstandsvorsitzende der AOK Bayern, Helmut Platzer.

An dem Projekt zur Sturzprävention, das seit 2007 läuft, nehmen inzwischen 955 Pflegeheime teil, das sind etwa zwei Drittel aller Heime in Bayern, berichtet Platzer. Dabei bekommen die Heimbewohner zweimal pro Woche ein Kraft- und Balancetraining. Besonders sturzgefährdeten Bewohnern wird das Tragen eines Hüftprotektors empfohlen, berichtet Projektleiter Dr. Clemens Becker von der Klinik für Geriatrische Reha des Bosch-Krankenhauses in Stuttgart.

Darüber hinaus wird auch die Umgebung der Heimbewohner angepasst, etwa durch eine Verbesserung der Lichtverhältnisse oder der Anbringung von Haltegriffen. Zur Prävention gehöre auch die Überprüfung der Arzneiversorgung, da bestimmte Medikamente wie Schlafmittel mit einer erhöhten Sturgefahr einhergehen, erklärte Becker. Alle am Projekt beteiligten Heime sind verpflichtet, jeden Sturz zu dokumentieren. Dadurch werde das Personal angehalten, jeden Sturz zu reflektieren und gegebenenfalls daraus Konsequenzen zu ziehen.

Die direkten Kosten einer Hüftfraktur liegen im Schnitt bei 8200 Euro, erklärt der Gesundheitsökonom Professor Hans-Helmut König von der Universität Hamburg. Dem stehen Ausgaben des Projektes von etwa 6000 Euro entgegen, wie die Schulung von Trainern und Therapeuten, die das Kraft- und Balancetraining mit den Heimbewohnern absolvieren, Insgesamt erhöhe sich der Pflegesatz eines Heimes durch die Ausgaben für die Prävention jedoch nur marginal, betont König.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Welche Stoffe in Energy-Drinks wirken auf Herz und Kreislauf?

Energy-Drinks haben eine durchschlagende Wirkung: Es kommt zu signifikanten Verlängerungen des QTc-Intervalls, und der systolische Blutdruck ist erhöht. Möglicherweise ist dafür nicht nur das Koffein verantwortlich. mehr »

Das war der Ärztetag 2017 in Bildern

Das war er nun, der 120 Ärztetag in Freiburg. Unsere Bildergalerie zeigt die schönsten, spannendsten Momente des viertägigen Kongresses. mehr »

Grünes Licht für GOÄ-Reformprozess

Der Deutsche Ärztetag hat den Verhandlungsführern für die GOÄ-Reform am Donnerstagabend grünes Licht für den weiteren Novellierungsprozess gegeben. mehr »