Ärzte Zeitung online, 30.07.2010

Ersatzkassen kritisieren "ungerechte Bedingungen"

BERLIN (dpa). Die Ersatzkassen sehen Millionensummen in der gesetzlichen Krankenversicherung ungerecht verteilt - von der Bundesregierung fordern sie grundlegende Änderungen. "Derzeit gibt es nicht ausreichend gerechte Bedingungen für den Wettbewerb zwischen den Krankenkassen", sagte der Vorsitzende des Ersatzkassenverbands vdek, Thomas Ballast in Berlin.

Ersatzkassen kritisieren "ungerechte Bedingungen"

"Der Risikostrukturausgleich muss weiterentwickelt werden", fordert Thomas Ballast.

© vdek

"Das Ungleichgewicht hat dazu geführt, dass die AOKen im vergangenen Jahr einen Überschuss von 916 Millionen Euro eingefahren haben, während die Ersatzkassen ein Defizit von 157 Millionen verbuchten", sagte Ballast der Nachrichtenagentur dpa.

Ballast kritisierte damit den Finanzausgleich zwischen den gesetzlichen Kassen. Versicherungen mit vielen chronisch Kranken bekommen seit eineinhalb Jahren mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds als Kassen mit überwiegend Gesunden. "Der Risikostrukturausgleich muss weiterentwickelt werden", forderte Ballast. "Durch die Ausweitung auf 80 Krankheiten sind die Gewichte stark zugunsten der AOKen verschoben worden. Nur noch die Kosten für 50 Krankheiten sollten ausgeglichen werden, für die teuersten Krankheiten sollte ein Risikopool eingerichtet werden." Ballast sieht dies als Voraussetzung dafür an, dass keine Kasse im kommenden Jahr Zusatzbeiträge erheben muss.

Mit der DAK und der KKH-Allianz nehmen zwei große Ersatzkassen acht Euro im Monat zusätzlich von ihren Mitgliedern. Viele Versicherte kehrten den Kassen mit Aufschlag den Rücken. "Für die Krankenkassen, die Versichertenabgänge hinnehmen mussten, ist das nicht erfreulich", sagte Ballast. "Aber es gibt bei keiner Ersatzkasse eine krisenhafte Entwicklung. Im kommenden Jahr entspannt sich die Finanzlage." Grund hierfür ist unter anderem der um 0,6 Punkte auf 15,5 Prozent steigende Beitragssatz.

Ballast forderte zudem von der Koalition Standfestigkeit gegenüber Ärzten, Apotheken und der Pharmabranche. "Unsere Sorge ist, dass die Eckpunkte in der Umsetzung so bearbeitet werden, dass das Sparvolumen verwässert wird", sagte er. Im kommenden Jahr will die Koalition hier 3,5 Milliarden Euro sparen. "Trotz der Proteste der Hausärzte, der niedergelassenen Ärzte insgesamt und der Krankenhäuser muss die Regierung ihre Eckpunkte über die Ziellinie retten." Nach langem Streit hatte sich die Koalition auf Eckpunkte geeinigt, die nach der Sommerpause umgesetzt werden sollen.

Ballast warnte auch vor einer sozialen Schieflage durch die geplante Aufhebung der Grenze für Zusatzbeiträge - trotz des vorgesehenen Sozialausgleichs. "Wenn 2012 vermehrt Zusatzbeiträge kommen, werden Besserverdienende relativ weniger stark belastet als Menschen mit mittlerem und niedrigem Verdienst."

Zum vdek gehören unter anderem die Barmer GEK, Techniker Krankenkasse, DAK und KKH-Allianz.

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