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Ärzte Zeitung online, 02.08.2010

Neuer Vorstoß zur Kostenerstattung in der GKV

BERLIN (nös). Die Diskussion um die Kostenerstattung in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erhält erneut Auftrieb. "Die Wahl der Kostenerstattung durch die Versicherten soll attraktiver werden", sagte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesgesundheitsministerium, Daniel Bahr (FDP), der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Neuer Vorstoß zur Kostenerstattung in der GKV

Kostenerstattung oder Patientenquittung: die Forderungen nach mehr Transparenz werden lauter.

© suedraumfoto / imago

Die Kostenerstattung erhöhe nicht nur die Transparenz, sondern biete den Kassen auch mehr Freiräume für ihre Versicherten, sagte Bahr. Bereits im Herbst solle dazu ein entsprechender Gesetzesentwurf vorgelegt werden.

Bahr sprach sich zudem für mehr Wettbewerb zwischen den Krankenkassen aus. "Die Kassen sollen künftig selbst über die Beiträge entscheiden." Denkbar seien auch Selbstbeteiligungen und die Erstattung von Prämien.

Der Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), Gerd Billen, plädierte in der "Rheinischen Post" hingegen für eine Patientenquittung. Vielen Versicherten sei gar nicht bewusst, welche Kosten sie bei einem Arztbesuch auslösen. Mit der Patientenquittung bekämen sie endlich einen Überblick über die Kosten. Dies diene nicht nur der Kontrolle, sondern führe auch zu einem neuen Bewusstsein bei den Versicherten, so Billen.

Von der reinen Kostenerstattung ist Billen nicht überzeugt. "Dadurch geht den Krankenkassen die Qualitätskontrolle verloren", sagte er dem Blatt. Angesichts der schwierigen Finanzsituation einiger Kassen werde es für viele Versicherte schwierig, das Arzthonorar von den Kassen zurückzubekommen.

Lesen Sie dazu auch:
Bahr will Kostenerstattung ausweiten

[02.08.2010, 08:17:19]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Drei einarmige Skatspieler: Mission impossible
Mit Verlaub, Herr Daniel Bahr und Herr Gerd Billen, sie kommen mir vor wie zwei Blinde, die sich über das Sehen unterhalten: Herr Bahr, bei aller Liebe, wie soll denn eine Rentnerin mit der Kostenerstattung umgehen, wer von den Gutverdienern in der GKV setzt sich abends noch hin, sortiert, vergleicht und begleicht (hoffentlich fristgerecht) Arztrechnungen, die er dann auch noch im Original (nicht per Fax oder E-Mail) bei seiner Krankenkasse einreicht. Auf der dann alle Diagnosen (von AIDS über sexuelle Funktionsstörungen bis Zöliakie) im Klartext stehen, über die er mit seiner freundlichen Krankenkassenmitarbeiterin diskutieren kann.

Und Herr Billen, die Arztabrechnung mit Festlegung des Punktwertes passiert mehr als 6 Monate n a c h der Leistungserbringung. Wir Vertragsärzte bekommen ein Regelleistungsvolumen, was nichts anderes ist als eine verkappte Kopfpauschale für 3 Monate. Die beträgt in der KVWL (Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe) knapp 25 Euro für 3 Monate (Umsatz; Kosten gehen noch ab!). Mit präventiven und kurativen Sonderleistungen bzw. altersgestaffelt kommen 35-40 Euro im Quartal (!) zusammen, u n a b h ä n g i g von Schwere der Erkrankungen und Umfang der Inanspruchnahme (bei Hausärzten im Mittel 6-7 x im Quartal).

Die Ärztezeitung wählte übrigens als Bildhintergrund die Privatabrechnung eines Arztes mit bis zu 2,3-fachem Steigerungsfaktor.
Das wäre bei der Kostenerstattung undenkbar, da dafür nur der 1-fache Satz gilt.

Mit freundlichen Grüßen Dr. med. Th. G. Schätzler, FA Allgemeinmed. DO
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