Ärzte Zeitung online, 13.08.2010

TK beendet Wahltarifvertrag für privatärztliche Leistungen

KÖLN (akr). Die Techniker Krankenkasse (TK) schließt ihren Wahltarif, mit dem gesetzlich Versicherte den Status eines Privatpatienten erwerben konnten. Weil die Kunden die Leistungen öfter als kalkuliert in Anspruch nahmen, war der Tarif nicht kostendeckend. Die privaten Krankenversicherer frohlocken angesichts des Scheiterns der TK.

TK beendet Wahltarifvertrag für privatärztliche Leistungen

Wahltarif ade. "Bei der TK versichert, wie ein Privatpatient behandelt" gilt ab 2011 nicht mehr.

© dpa

Die gesetzlichen Krankenkassen dürfen ihren Mitgliedern seit 2007 Wahltarife anbieten, mit denen diese den Anspruch auf zusätzliche medizinische und privatärztliche Leistungen erhalten. Die TK gehört zu den Pionieren auf diesem Gebiet. Für den Tarif, der zum Jahresende geschlossen wird, warb sie mit dem Slogan "Bei der TK versichert, wie ein Privatpatient behandelt". Nach Angaben der TK haben sich seit 2007 rund 6300 Mitglieder für das Angebot entschieden. Vor Aufnahme von Kunden in den Tarif hat die Kasse keine Gesundheitsprüfung vorgenommen - wie sie aber zum Geschäftsmodell der privaten Krankenversicherer gehört.

"Das Gesetz schreibt vor, dass sich die Wahltarife selbst finanzieren müssen", sagte TK-Sprecherin Michaela Hombrecher. Eine Quersubventionierung durch andere Versichertengelder ist also nicht möglich - wäre aber erforderlich gewesen. Denn die Kunden nahmen den Privatpatienten-Tarif ausgiebig in Anspruch. "Der Tarif war nicht kostendeckend", sagte sie. Die Alternative zur Schließung wäre eine Prämienerhöhung. Die Kasse hat sich dagegen entschieden.

Anders als bei den Krankenkassenbeiträgen hängt die Prämienhöhe für den Wahltarif nicht vom Einkommen des Versicherten ab. Maßgeblich für die Höhe des Privatpatiententarifs ist das Alter. Ein Versicherter unter 18 Jahren zahlt im Monat 17,90 Euro, ein über 85-Jähriger 99,90 Euro - zusätzlich zum regulären Beitrag. Wird der Tarif geschlossen, sind die bereits gezahlten Beiträge weg, ohne dass die Kunden Anspruch auf zusätzliche Leistungen haben.

Die übrigen Wahltarife, etwa zur Kostenerstattung oder zur Homöopathie, bleiben bestehen, sagte die Sprecherin.

Die privaten Krankenversicherer bekämpfen die Wahltarife der gesetzlichen Krankenkassen, weil sie die Konkurrenz fürchten. Sie wollen das Geschäftsfeld alleine besetzen. Das Scheitern des Privatpatienten-Angebots zeige, dass solche Wahltarife ein Fremdkörper in der gesetzlichen Krankenversicherung seien, sagte der Direktor des Verbands der privaten Krankenversicherer (PKV) Volker Leienbach. "Wahl- und Zusatztarife haben in einer staatlich subventionierten Sozialversicherung nichts zu suchen, sie sind ein ordnungspolitischer und versicherungstechnischer Irrtum", so Leienbach. Anders als die privaten Anbieter könnten die Kassen die Tarife nicht risikogerecht kalkulieren. Deshalb seien die Tarife strukturell unterfinanziert, sagte er mit Blick auf die fehlende Gesundheitsprüfung der Kassen.

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