Ärzte Zeitung online, 10.09.2010

AOK will Arztnavigator auf Zahnärzte und Therapeuten ausweiten

AOK will Arztnavigator auf Zahnärzte und Therapeuten ausweiten

© AOK

NEURUPPIN (hom). Die AOK plant, ihren Arztnavigator im Internet auf Zahnärzte auszuweiten. "Da scheint es besonderen Bedarf zu geben", sagte der Vorstandsvize des AOK-Bundesverbands, Jürgen Graalmann, am Donnerstag vor Journalisten im brandenburgischen Neuruppin. Auch Psychotherapeuten sollten in das Portal mit aufgenommen werden, um so eine Bewertung dieser Berufsgruppe zu ermöglichen.

Derzeit wird der Arztnavigator, bei dem AOK-Mitglieder ihre Haus- und Fachärzte bewerten können, in den Regionen Berlin, Hamburg und Thüringen getestet (wir berichteten). Gefragt wird unter anderem danach, wie lange der Patient in der Praxis warten muss und ob der Arzt den Patienten in Entscheidungen zu anstehenden Untersuchungen und Behandlung einbezieht. Auch Organisation, Atmosphäre und Diskretion in der Praxis sind Gegenstand des Fragebogens. Die Antwortmöglichkeiten sind vorgegeben. Freitextfelder gibt es nicht. Auf diese Weise werde verhindert, dass Versicherte "Schmähkritik" an Ärzten übten, betonte Graalmann.

Für jeden Arzt müssen mindestens zehn Beurteilungen vorliegen, bevor die Zeugnisse online gehen. Jeder Patient kann einen Arzt nur einmal bewerten. Der Arzt wiederum hat die Möglichkeit, die Bewertungen zu kommentieren oder sperren zu lassen. Dies wird dann allerdings im Portal vermerkt.

Mit dem Online-Bewertungsportal werde Versicherten eine "qualitativ hochwertige Orientierungshilfe" bei der Suche nach einem passenden Haus- oder Facharzt zur Verfügung gestellt, betonte Graalmann. Anfängliche Ängste der Ärzte, von der Kasse an "einen digitalen Pranger" gestellten zu werden, seien in der Rückschau "unnötig" gewesen. Das gelte insbesondere für den Vorwurf, die AOK mische sich in das Arzt-Patient-Verhältnis ein. "Daran haben wir gar kein Interesse", so Graalmann. Er gehe davon aus, dass die Beurteilungen das Verhältnis von Patient und Arzt "eher stärken denn schwächen werden".

Nach Angaben der AOK sollen die ersten Bewertungsergebnisse Anfang 2011 im Internet freigeschaltet werden. Ursprünglich war dies bereits für diesen Herbst angekündigt. Graalmann begründete die Verzögerung damit, dass bei der Entwicklung des Arztnavigators nach dem Grundsatz "Qualität vor Schnelligkeit" verfahren werde. "Wir wollen eine Online-Arztsuche mit neuen Qualitätsstandards schaffen."

Wenn das Ergebnisportal online gehe, würden sich auch die AOKen, die nicht zu den Pilotregionen gehören, am Arztnavigator beteiligen. Zudem solle auch anderen Kassen ermöglicht werden, sich dem Projekt anzuschließen. Die Barmer GEK erwäge diesen Schritt bereits und plane, "im Laufe des nächsten Jahres" in den Arztnavigator einzusteigen.

Die Barmer GEK ist mit rund acht Millionen Versicherten Deutschlands größte gesetzliche Kasse. Zusammen mit den rund 24 Millionen AOK-Versicherten würde der Arztnavi perspektivisch mehr als 30 Millionen gesetzlich Krankenversicherten die Möglichkeit bieten, Ärzte und Therapeuten im Internet zu beurteilen und an Bekannte oder Freunde weiterzuempfehlen.

Die "Ärzte Zeitung" berichtet über den Arztnavigator als Medienpartner der AOK und des Projektes Weisse Liste. Zur Sonderseite

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