Ärzte Zeitung, 08.10.2010

Länder wollen stärkeren Einfluss bei Bedarfsplanung

Die Koalition will die Bedarfsplanung reformieren. Die Länder wollen ein Wörtchen mitreden.

BERLIN (hom). Baden-Württemberg drängt auf eine Reform der Bedarfsplanung bei Ärzten und Kliniken. Dabei müssten "kleinräumige Festlegungen und sektorenübergreifende Verzahnungen" besser möglich sein, sagte der Amtschef im baden-württembergischen Sozialministerium Thomas Halder auf einer Veranstaltung der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) in Berlin.

Auch wenn es momentan "noch" keinen allgemeinen Ärztemangel gebe, müssten die Weichen richtig gestellt und notwendige Vorkehrungen getroffen werden, um weiterhin eine optimale Versorgung vorhalten zu können, betonte Halder. Dazu gehöre auch eine andere Bedarfsplanung. Auf diese wollten die Länder "stärkeren Einfluss" nehmen, sagte Halder. Das sei Konsens unter den Ländern.

Baden-Württemberg setze bei dem Thema auf die schwarz-gelbe Bundesregierung. So hätten Union und FDP in ihre Koalitionsvereinbarung mehrfach den Begriff Regionalisierung hineingeschrieben. "Das hätten wir gern", betonte Halder. Insbesondere im ländlichen Raum zeichneten sich Versorgungsengpässe ab. Dort werde es zunehmend schwieriger, "für altershalber ausscheidende Vertragsärzte, einen Nachfolger für ihre Praxis zu finden."

KVBW-Vorstand Dr. Achim Hoffmann-Goldmayer warnte derweil vor dem "Irrglauben, dass eine schrumpfende Bevölkerung weniger Ärzte benötigt". Da die Zahl älterer, mehrfach erkrankter Patienten steige, sei der Bedarf an Medizinern ungebrochen groß. Kernproblem sei, dass in den nächsten Jahren viele Ärzte altersbedingt aus dem Beruf ausschieden. Auf Baden-Württemberg treffe das besonders zu, da die Ärzte hier "ein wenig älter" als im Bundesdurchschnitt seien. "Im Ländle" sind zurzeit 3000 Ärzte älter als 60 Jahre alt.

Unterdessen warnte der Chef der AOK Baden-Württemberg Dr. Rolf Hoberg vor Panikmache. Aktuell gebe es keinen Ärztemangel, so Hoberg gegenüber der "Ärzte Zeitung". "Wir haben so viele Ärzte wie noch nie". Engpässe könne er daher nicht feststellen. "Wir sehen aber, dass es möglicherweise im ländlichen Raum doch in dem einen oder anderen Fall zu längeren Wegen des Patienten zum Arzt kommt." Mit ihrem Hausarztprogramm arbeite die Kasse dem entgegen. "Wir leisten damit einen wichtigen Beitrag, den Beruf des Hausarztes attraktiv zu halten."

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