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Suchtprobleme im Alter werden unterschätzt

Immer mehr ältere Menschen sind abhängig von Alkohol oder Tabletten. Ein neues Modellprojekt des Bundesgesundheitsministeriums will Fachkräfte der Alten- und Suchthilfe für das Thema sensibilisieren und schulen.

Thomas HommelVon Thomas Hommel Veröffentlicht:
Wenn´s doch nur ein Gläschen wäre: Nicht nur junge, auch immer mehr ältere Menschen haben mit Alkoholsucht zu kämpfen.

Wenn´s doch nur ein Gläschen wäre: Nicht nur junge, auch immer mehr ältere Menschen haben mit Alkoholsucht zu kämpfen.

© Paul von Stroheim / imago

BERLIN. "Ein Gläschen in Ehren", "Nun lass ihm doch seinen Schnaps": Nicht selten wird mit solchen oder gleichlautenden Bemerkungen versucht, einem Problem elegant aus dem Weg zu gehen, das immer mehr ältere Menschen in Deutschland betrifft: die Abhängigkeit von Alkohol oder Medikamenten.

Etwa 14 Prozent der pflegebedürftigen Menschen, die von ambulanten Pflegediensten oder in Heimen betreut werden, haben laut einer aktuellen Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) mit Alkohol- oder Medikamentenproblemen zu kämpfen.

Auch Krankenkassen schlagen Alarm. "Immer mehr Ältere landen wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus", konstatiert etwa die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK). Bei den Klinikeinweisungen von 50- bis 60-Jährigen wegen Alkoholmissbrauchs seien innerhalb der vergangenen vier Jahre in manchen Bundesländern "zweistellige Zuwachsraten" zu verzeichnen, so Frank Meiners von der DAK.

An der Spitze lägen Mecklenburg-Vorpommern mit fast 58 Prozent, Brandenburg mit 47 Prozent und Hessen mit 42 Prozent. "Diese Entwicklung ist alarmierend", sagt Meiners.

Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), ruft zu größerer Wachsamkeit auf. Schädlicher Suchtmittelkonsum und Abhängigkeit im Alter würden bislang "zu wenig beachtet".

Oftmals sei auch das Pflegepersonal beim Umgang mit Suchtproblemen nicht ausreichend geschult. "Aus der Praxis wissen wir, dass bisher eine Abstimmung zwischen Altenhilfe und Suchthilfe kaum erfolgt."

Claudia Diekneite, Geschäftsführerin der Landesstelle für Suchtfragen in Schwerin, bestätigt die Diagnose. Das Suchtproblem sei in den meisten deutschen Heimen zwar bekannt. "Viele Mitarbeiter wissen aber nicht, wie sie damit umgehen sollen. Sie handeln aus dem Bauch heraus."

Den Zeigefinger zu heben, reiche aber nicht. Gefragt sei das einfühlende Gespräch, "wobei der würdevolle Umgang mit dem Betroffenen an erster Stelle stehen muss". Alten- und Suchthilfe sollten sich hierbei gegenseitig unterstützen, so die Expertin. Exakt diesem Ziel dient das jetzt vom BMG aufgelegte Modellprojekt zu schädlichem Alkoholkonsum und Medikamentenmissbrauch im Alter.

Acht Projekte werden mit insgesamt 2,4 Millionen Euro gefördert. Ziel ist die engere Kooperation zwischen Alten- und Suchthilfe. Geplant sind gemeinsame Fortbildungen und Fallbesprechungen. Dyckmans erhofft sich dadurch Impulse, "wie vorhandene Versorgungsstrukturen an die Lebenswelt von älteren Menschen mit Suchtproblemen angepasst werden können".

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