Ärzte Zeitung online, 22.10.2010

Verbandstrio warnt vor Kostenerstattung

BERLIN/MÜNCHEN (eb). "Mogelpackung Vorkasse" - mit dieser Warnung laufen die AOK, der Sozialverband VdK und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) Sturm gegen die Kostenerstattung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie sprechen von einer "Kostenfalle für gesetzlich Versicherte".

Verbandstrio warnt vor Kostenerstattung

Abrechnung mittels GOÄ: AOK, VdK und vzbv wollen lieber am Sachleistungssystem festhalten.

© sth

Ein tiefer Griff in die Taschen der Versicherten seien Röslers Pläne, die Kostenerstattung in der GKV auszuweiten, monierten die drei Verbände in einer am Freitag verbreiteten Mitteilung.

Jürgen Graalmann, der stellvertretende Vorsitzende des AOK-Bundesverbandes, kritisierte, die Kostenerstattung löse kein einziges Problem im Gesundheitswesen. "Sie bedeutet schlicht und einfach, die Patienten müssen löhnen, die Ärzte kassieren."

Die Kostenerstattung in der GKV habe letztlich das Ziel, dass der Arzt "mehr als das Doppelte der bisherigen Einnahmen" bekomme. Für die Versicherten hingegen bedeute es höhere Kosten: Denn die Kasse werde dem Patienten bei der Kostenerstattung nur einen Teilbetrag erstatten. So entstünden teils hohe Differenzbeträge von mehr als 50 Prozent, monieren die Verbände.

Für Gerd Billen vom vzbv muss der Weg deshalb die Patientenquittung sein: "Patienten und Ärzte sollten wissen, was eine Behandlung kostet. Das geeignete Instrument dafür ist die Patientenquittung, nicht die Kostenerstattung."

Auch Ulrike Mascher, Präsidentin des VdK, warnte: "Die Kostenerstattung kann für Versicherte zu bösen Überraschungen führen, wenn sie nach der Behandlung auf einem Großteil der Kosten sitzen bleiben." Versicherte müssten davor gewarnt werden, sich von Ärzten zur Behandlung auf Rechnung drängen zu lassen. Generell müsse man Versicherten davon abraten, auf die Kostenerstattung umzuschwenken.

[25.10.2010, 09:42:05]
Dr. Birgit Bauer 
Was sagt uns das ??
Wieso unterstellen die Kassen, dass dann die Ärzte das doppelte kassieren würden ? Ist es nicht längst überfällig, dass die GOÄ zur Grundlage der Ärztehonorierung für alle wird? Haben die Kassen und natürlich auch die KV-en Angst davor, dass ihre Dumpinglohnpolitik für Ärzte offensichtlich wird? Ganz davon zu schweigen, dass dann die KV-en in ihrer derzeitigen Struktur überflüssig würden und so auch die quartalsweisen Neuverhandlungen der Arzthonorierung in der GKV die zu unberechenbaren Planungssituationen für die Praxen führen.
Den verantwortlichen Politikern wünsche ich viel Mut zu klaren Strukturierung des Gesundheitswesens.
Das Gejammer über den Ärztemangel sollte zu Strukturen führen, die den Praxen eine ökonomisch- berechenbare Planbarkeit ermöglicht, dann werden sich junge Kollegen auch wieder niederlassen. Mit dem heutigen Stückwerk kann das keinem empfohlen werden. zum Beitrag »

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