Ärzte Zeitung, 29.10.2010

KBV-Philosophie "Mehr Ärzte" erzürnt Pflegeverbände

Nach Ansicht der KBV ergreifen zu wenig Studenten den Arztberuf. Das ist den Pflegeverbänden jedoch zu kurz gedacht: Versorgungsprobleme ließen sich nicht allein nach dem Prinzip "Mehr Ärzte" lösen, warnen sie.

KBV-Philosophie "Mehr Ärzte" erzürnt Pflegeverbände

Pflege: Die Verbände sehen KBV-Chef Köhler auf einem Irrweg, die Versorgungsprobleme nur mit mehr Ärzten lösen zu wollen.

© Manja Elsässer / imago

BERLIN (sun/hom). Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat erneut vor einem drohenden Ärztemangel gewarnt. Ein Grund hierfür sei, dass nicht alle Absolventen eines Medizinstudiums später auch im kurativen Bereich arbeiten würden, sagte KBV-Chef Dr. Andreas Köhler in Berlin. "Wenn alle Studierenden tatsächlich in die Patientenversorgung gingen, hätten wir kein Nachwuchsproblem", so Köhler.

Allerdings hätten sich im Zeitraum 2003 bis 2008 knapp zwölf Prozent der Absolventen gegen eine Tätigkeit als Arzt entschieden oder seien direkt ins Ausland gegangen. Künftig müssten zwar weniger Patienten behandelt werden, die dafür allerdings intensiver.

"Wenn wir nichts unternehmen, wird der Ärztemangel gravierend werden - mit entsprechenden Folgen für die medizinische Versorgung der Bevölkerung", warnte Köhler. KBV-Vorstand Dr. Carl-Heinz Müller ergänzte, dass es nun das Wichtigste sei, die Attraktivität des Arztberufs zu steigern.

Nach Ansicht des Aufsichtsrats-Vorsitzenden des AOK-Bundesverbands, Fritz Schösser, wird es jedoch mit "Geld und guten Worten alleine nicht möglich sein", Ärzte in abgelegene Gebiete zu locken.

Gefragt seien vielmehr Gemeindegesundheitszentren, in den Ärzte tageweise Sprechstunden abhielten. Außerdem müsse es zu einer besseren "Aufteilung" der Arbeit von Ärzten und nicht-ärztlichen Gesundheitsberufen kommen.

Arztentlastende Modelle, bei denen telemedizinische Lösungen zum Einsatz kommen, seien auszuweiten, empfahl Schösser.

Pflegeverbände warnten unterdessen, die Versorgungsprobleme allein nach dem Prinzip "Mehr Ärzte" lösen zu wollen. "Dieser Weg ist ein Irrweg", sagte der Präsident des Deutschen Pflegerats, Andreas Westerfellhaus, der "Ärzte Zeitung".

"Kritische Entwicklungen, die nicht wegdiskutiert werden können, benötigen intelligente Lösungen - und zwar unter Beteiligung aller Leistungserbringer."

Die Pflegeverbände beanspruchten daher auch einen Sitz in der von Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) geplanten Kommission zur ärztlichen Versorgung.

Lesen Sie dazu auch:
Ärzte und Kassen streiten über Ärztemangel

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »