Ärzte Zeitung online, 26.11.2010

Versorgung von KHK-Patienten kann noch besser werden

BERLIN (men). Nach einem kardiovaskulären Ereignis erhält die große Mehrheit der Patienten in Deutschland eine leitliniengerechte medikamentöse Therapie. Das zeigt eine aktuelle Studie zur Versorgungssituation von Patienten mit Fettstoffwechselstörungen. Dennoch gibt es Verbesserungspotenzial - etwa bei der Erreichung der Zielwerte.

Versorgung von KHK-Patienten kann noch besser werden

KHK: Fortschritte in der medikamentösen Versorgung, aber noch Luft nach oben.

© INSADCO / imago

In die Studie, die vom Berliner IGES Institut und der Barmer GEK in Kooperation mit Roche Pharma erstellt wurde, flossen die Daten von fast 100 000 Versicherten ein, die zwischen 2004 und 2008 wenigstens einmal wegen koronarer Herzkrankheit (KHK) stationär behandelt worden waren.

Nach dem erstmaligen Ereignis bekamen 84,3 Prozent der Patienten Lipidsenker verordnet, in der Hauptsache Statine (88 Prozent) oder Statine plus Ezetimib (10 Prozent).

Trotz der medikamentösen Therapie blieb das kardiovaskuläre Risiko der Patienten hoch: Nach zwei Jahren waren sechs Prozent der Patienten gestorben, weitere 20 Prozent waren erneut wegen KHK in eine Klinik eingewiesen worden.

Die Zielwerte werden trotz Statin-Therapie oft nicht erreicht

Ein möglicher Grund für das dauerhaft erhöhte Herz-Kreislauf-Risiko ist, dass viele Patienten die mit der lipidsenkenden Therapie angestrebten Zielwerte nicht erreichen. Davon zeigte sich Dr. Anselm Gitt vom Herzzentrum Ludwigshafen überzeugt.

Gitt zitierte die von ihm selbst geleitete deutsche Substudie von DYSIS* (Clin Res Cardiol 2010, 99, 723). DYSIS habe gezeigt, dass mit einer Statin-Therapie allein nicht einmal die Hälfte der Hochrisikopatienten den optionalen LDL-Zielwert von unter 70 mg/dl erreichen.

Neben dem LDL-Cholesterin müssen auch das HDL-Cholesterin und die Triglyceride beachtet werden, insbesondere bei Hochrisikopatienten, so Gitt.

Eine vielversprechender neuer Therapieansatz ist in diesem Zusammenhang die Hemmung des Cholesterinester-Transferproteins (CETP). CETP-Hemmer, wie das von Roche derzeit entwickelte Dalcetrapib, sind vor allem in der Lage, das HDL-Cholesterin in bisher nicht gekanntem Maß zu erhöhen.

*Dyslipidaemia International Study

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