Ärzte Zeitung online, 29.12.2010

Berechnung: PKV-Prämien verteuern sich 2011 im Schnitt um sieben Prozent

BERLIN (dpa). Für Privatversicherte fallen 2011 die Beitragssteigerungen deutlich höher aus als für Kassenpatienten. Nach einer Experten-Berechnung für die Zeitung "Die Welt" (Mittwochsausgabe) steigen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) zum Jahreswechsel im Durchschnitt um sieben Prozent an. Bei gesetzlichen Krankenkassen seien es nur vier Prozent.

Der CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer kritisierte die Beitragssteigerungen. Sie bedeuteten vor allem für Beamte und Pensionäre, die ohne großes Einkommen in der PKV versichert sind, eine große Belastung, sagte er der Zeitung. Es sei aber die Aufgabe der PKV, ihre Einnahmen und Ausgaben selbst in den Griff zu bekommen. Die Politik könne allenfalls helfen. Singhammer schlug vor, dass Ärzte und Versicherungen ausprobieren sollten, ob sie nicht abseits der amtlichen Gebührenordnung über die Preise für medizinische Leistungen verhandeln.

Die von der Analysefirma Morgen & Morgen errechnete durchschnittliche Beitragssteigerung bezieht sich auf private Krankenversicherungen, die im Jahr 2011 neu abgeschlossen werden. Die Steigerungsrate diene als Indikator für die Beitragssteigerung bei bereits bestehenden Privatversicherungen. Eine Steigerung von sieben Prozent beim Neugeschäft sei die bislang höchste ermittelte jährliche Branchensteigerung. Die durchschnittliche Steigerung der Beiträge über die vergangenen zehn Jahre habe knapp fünf Prozent betragen.

[30.12.2010, 18:15:15]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Retrograde Amnesie bei der PKV?
Noch am 18. 11. 2010 hatte der Verband der Privaten Krankenversicherer mit seiner großartigen Ertrags- und Rückstellungsbilanz geprahlt: Das war offensichtlich der Bericht für Aktionäre und Anteilsinhaber. Authentisch nachzulesen in der Ärzte Zeitung unter dem Link:

http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/unternehmen/article/630076/private-krankenversicherer-geben-optimistisch.html?sh=58&h=869993686

Für die privat versicherten Kunden sieht das ganz anders aus: "Doch jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Brutto- ..." Ertagsprodukt. Prämienerhöhung von 7% im Schnitt. Da fällt sogar dem CSU-Gesundheitspolitiker Johannes Singhammer der Kitt aus der Brille. Und auch mir kommen die Tränen, ob eines solchen Elends.

Das Einnahmep l u s 2010 der PKV wird +11,29 Mrd. Euro betragen: Für das laufende Jahr 2010 rechnet die PKV mit Leistungsa u s g a b en von 22,07 Milliarden Euro, davon 21,33 Milliarden für die Kranken- und 740 Millionen für die Pflegeversicherung. Im gleichen Zeitraum rechnet die PKV mit 33,36 Milliarden Euro an Beitrags e i n n a h m e n, davon 31,24 Milliarden für die Krankenversicherung und 2,12 Milliarden Euro für die Pflegeversicherung.

Das Plus in 2009 betrug "nur" +11,02 Mrd. Euro: Insgesamt wurden im Jahr 2009 in der privaten Kranken- und Pflegeversicherung 31,47 Milliarden Euro an Beiträgen eingenommen, 3,8 Prozent mehr als 2008. In 2009 gab es "insgesamt 20,45 Milliarden Euro" lt. PKV-Verband an Ausga ben.

Ein äußerst "bedrohlicher" Trend mit Einnahmesteigerung von nur 2,45% innerhalb eines Jahres bei einem Überschuss von jeweils gut 11 Milliarden Euro pro Jahr. Das musste dringend mit Prämienerhöhungen pariert werden, wenn man sich an seine Erfolgsbilanz vor gerade 1 Monat partout nicht mehr erinnern kann!

Mit Neujahrsgrüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM in Dortmund

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