Ärzte Zeitung online, 04.01.2011

Kassen und Kliniken streiten über neue Behandlungsmethoden

Die zum Jahresbeginn in Kraft getretene Neuordnung des Arzneimarkts sieht schnellere Bewertungen des Nutzens neuer Medikamente vor. Die Krankenkassen wollen bessere Nutzennachweise auch für neue Methoden in Krankenhäusern. Doch mit ihren Plänen stoßen auf Widerstand der Kliniken.

Kassen und Kliniken streiten über neue Behandlungsmethoden

Pars pro toto: Mit dem Beispiel medikamentenbeschichteter Ballonkatheter wirbt die Chefin des GKV-Spitzenverbandes, Dr. Doris Pfeiffer, für die Nutzenbewertung von neuen Methoden.

© Marco Stepniak / imago

BERLIN (dpa/eb). Die Krankenkassen haben erneut schärfere Prüfungen neuer, aber möglicherweise riskanter Behandlungsmethoden in Krankenhäusern gefordert. Die Kliniken stemmen sich indes weiter gegen den Vorstoß.

"An vielen Stellen werden an Krankenhäusern neue Methoden eingesetzt, die nicht erprobt sind und über die es keine Studien gibt", sagte die Vorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Dr. Doris Pfeiffer, in Berlin. "Hier muss ein Umdenken stattfinden."

Pfeiffer forderte bereits Anfang Dezember, dass Kliniken künftig mehr auf "Klasse statt Masse" setzen sollten. Der GKV-Spitzenverband hatte damals sein Konzept zur Nutzenbewertung von Innovationen vorgestellt.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft reagierte prompt und wies den Vorstoß von sich: "Die Kassen sollten das krankenhausärztliche Können fördern und nicht ihr Vermögen mehren", echauffierte sich DKG-Hauptgeschäftsführer Georg Baum.

Pfeiffer beharrt indes auf dem Konzept der Kassen. Als Beispiel nannte sie die Medizinprodukte, bei denen es keine ausreichenden Qualitätsprüfungen gebe.

"So gibt es medikamentenbeschichtete Ballonkatheter für Herzpatienten, die bei uns breit angewendet werden, obwohl nur ein geringer Vorteil für eine sehr kleine Gruppe von Patienten nachgewiesen ist", sagte Pfeiffer der Nachrichtenagentur dpa. "In den USA sind diese Katheter nicht zugelassen."

Nötig sei eine Qualitätssicherung ähnlich wie bei den Arzneimitteln. "Wir brauchen eine Nutzenbewertung", sagte Pfeiffer. "Diese Bewertungen sollten durch den Gemeinsamen Bundesausschuss initiiert werden."

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft warf den Kassen Widersprüchlichkeit vor. "Im Fall der gutartigen Prostatavergrößerung haben sie trotz vorliegender Studien im Gemeinsamen Bundesausschuss die Therapiemöglichkeiten eingeschränkt", sagte Geschäftsführer Georg Baum.

Im Dezember hatte der GBA bestimmte Therapien bei Prostatavergrößerung vom Kassenkatalog gestrichen, unter anderem Laser- und Ultraschall-Verfahren. Auch bei Verfahren gegen Lymphdrüsenkrebs hätten die Kassen Einschränkungen verlangt.

"Man könnte dieses Hin und Her fast schon als zynisch bezeichnen", sagte Baum der dpa. "Es geht zulasten der Patienten."

Pfeiffer forderte hingegen: "Wenn keine Studien vorliegen, sollte eine Studie durchgeführt und die Methode geprüft werden müssen." In der Zwischenzeit sollte die Methode ihrer Ansicht nach nur in bestimmten Innovationszentren angewendet werden, also in Kliniken, die an einer Studie zu einer neuen Methode teilnehmen.

Als weit verbreitetes Beispiel gelten auch Gelenkprothesen. In den vergangenen zehn Jahren wurden mehr als 6000 Menschen in Deutschland mit Hilfe von Robotern am Hüftgelenk operiert. Implantate sollen dadurch passgenauer werden.

Studien zeigten nach Kassenangaben dann, dass diese Operationen nicht nur länger dauern - die Betroffenen litten auch häufiger unter bestimmten Schmerzen.

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