Ärzte Zeitung online, 18.01.2011

Wunscharzneien: Keine 20 Kassen haben ihre Hausaufgaben gemacht

BONN (cw). Drei Wochen nach Inkrafttreten des Arzneimittelmarktneuordnungsgesetzes (AMNOG) haben die meisten Krankenkassen noch keine Abschläge zur Umsetzung der Mehrkostenregelung definiert. Damit tappen Patienten auch weiterhin im Dunkeln über die genaue Höhe ihrer Zuzahlung.

Wunscharzneien: Keine 20 Kassen haben ihre Hausaufgaben gemacht

Wunschpräparat statt verordnetem Medikament? Die Patienten der meisten Kassen tappen auch weiter im Dunkeln.

© dpa

Erstmals erhalten gesetzlich Krankenversicherte mit dem AMNOG die Möglichkeit, gegen entsprechende Eigenbeteiligung statt eines rabattierten Arzneimittels ihr Wunscharzneimittel beziehen zu können.

Dabei hat der Versicherte zunächst das rezeptierte Präparat in der Apotheke selbst zu bezahlen und bekommt später von seiner Kasse einen Teilbetrag zurück ("Kostenerstattung").

Doch die Krankenkassen scheinen sich gegen diese Option vehement zu sperren. Da ihnen durch die Mehrkostenregelung keine Mehrkosten gegenüber der üblichen Sachleistung entstehen sollen, müssen sie entsprechende Abschläge für entgangene selektivvertraglich vereinbarte Rabatte sowie den Verwaltungsaufwand definieren.

Bislang sind die Krankenkassen dieser Verpflichtung auf breiter Front aber nicht nachgekommen, teilt das Bundesversicherungsamt auf Anfrage mit. Erst die wenigsten gesetzlichen Kostenträger hätten solche Abschläge in ihre Satzungen aufgenommen - aktuell seien es noch weniger als 20. Jedoch würden es jetzt "täglich mehr", versichert ein Behördensprecher.

Solange die Versicherten die genaue Höhe ihres Selbstbehalts nicht kennen, bleibt die Mehrkostenregelung eine unpraktikable Alternative. Zudem sind Diskussionen und Ärger in Praxen und Apotheken vorprogrammiert.

Patienten, die wissen wollen, wie viel sie nun für ihre Wunscharznei selber zahlen müssen, sind bestenfalls an die Krankenkassen zu verweisen. Die nämlich müssen ihre Versicherten über die genauen Abzugsbeträge informieren, sagt das Bundesgesundheitsministerium.

Unterdessen befürchtet man bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, durch die unklare Gemengelage könnten Patienten ihre Ärzte jetzt öfter mit dem Wunsch konfrontieren, die Aut-idem-Substitution auf dem Rezeptformular auszuschließen.

KBV-Sprecher Roland Stahl sagte dazu: "Damit belasten Ärzte ihr Budget unnötig und die Kostenverantwortung wird so zurück in die Arztpraxis verlagert - das kann und darf nicht sein."

Lesen Sie dazu auch:
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Ärger um Wunschmedikamente für Patienten

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