Ärzte Zeitung, 01.03.2011

Arztnavigator für immer mehr Versicherte zugänglich

Neben den AOK-Versicherten haben bald auch die 8,6 Millionen Versicherten der Barmer GEK die Chance, ihren Ärzten online ein Zeugnis auszustellen. Zudem wird der Zugang erweitert: Fragebögen gibt es jetzt in den AOK-Geschäftsstellen.

Von Sunna Gieseke

Fragebogen für immer mehr Versicherte zugänglich

Arbeiten ab sofort zusammen (von l. nach r.): AOK-Vize Jürgen Graalmann, Barmer GEK-Vize Dr. Rolf-Ulrich Schlenker, Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen Professor Raimund Geene, Referentin beim Sozialverband VdK Katja Kracke und Programmleiter bei der Bertelsmann Stiftung Uwe Schwenk.

© Bauchspiess

BERLIN. Künftig können noch mehr Versicherte ihrem Haus- und Facharzt online Zeugnisse ausstellen. Die Barmer GEK beteiligt sich als weitere Kasse an dem Projekt von AOK und Weisse Liste. Damit ist die größte Krankenkasse mit 8,6 Millionen Versicherten mit an Bord.

Die Partner - das Projekt Weisse List von der Bertelsmann Stiftung, Patienten- und Verbraucherorganisationen, AOK und Barmer GEK - wollen damit die Online-Arztsuche auf eine möglichst breite Basis stellen. "Wir öffnen das Projekt Zug um Zug auch für andere Kassen", sagte Jürgen Graalmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbandes, in Berlin.

Wie Ärzte profitieren

Ärzte und Praxisteams erhalten über die neue Online-Arztsuche eine faire, seriöse und methodisch fundierte Rückmeldung. Sie können die Ergebnisse für das interne Qualitätsmanagement und für eine positive Außendarstellung nutzen.

Voraussetzung ist, dass eine ausreichende Zahl von Bewertungen für den Arzt vorliegt. Ärzte, die auf die Befragung aufmerksam machen, erhalten Infoflyer zum Arztnavigator über die Arztberater der beteiligten AOKs in Berlin, Hamburg und Thüringen oder können sie über folgende Nummern anfordern:

Berlin: 0331-2772-25000
Hamburg: 040-2023-43 00
Thüringen: 01802-471000

Um noch mehr Menschen erreichen zu können, gibt es für die AOK-Versicherten ab sofort einen weiteren neuen Zugangsweg zum Arztnavigator: In den drei Pilotprojekten Berlin, Hamburg und Thüringen können sich Fragebögen zur Arztbewertung in ihrer AOK-Geschäftsstelle ausdrucken lassen.

"Auf diese Weise können auch Patienten, die nicht über einen Internetanschluss verfügen, ihre Erfahrungen beim Arztbesuch mitteilen", so Graalmann. Die Ergebnisse fließen - genau wie die Resultate der Online-Befragung unter www.aok-arztnavi.de - in das Ergebnisportal ein. Das Portal zur Online-Arztsuche startet in den nächsten Monaten, sobald eine aussagekräftige Zahl von Bewertungen aus den Pilotregionen vorliegt.

Mit Hilfe des Portals soll Patienten die Suche nach einem Arzt erleichtert werden. Dazu können Versicherte Fragen zu ihrem Arztbesuch beantworten. Diese wurden von der Weissen Liste entwickelt, die bereits langjährige Erfahrung in der Online-Krankenhaussuche hat.

Per Knopfdruck: Fragebögen in Geschäftsstellen

Bei der Befragung stehen Themen im Zentrum, die Patienten besonders interessieren und die sie einschätzen können: Wie kommuniziert der Arzt? Bindet er Patienten in Entscheidungen über die Behandlung ein? Nimmt er sich Zeit?

Die Antwortmöglichkeiten sind vorgegeben und reichen von "trifft voll und ganz zu" bis hin zu "trifft überhaupt nicht zu". Am Schluss des Fragebogens werden die Patienten gebeten, ihren Gesamteindruck mitzuteilen. "Wir wollen damit einen neuen Standard schaffen", so Graalmann.

Ärzte stehen dem Projekt teilweise kritisch gegenüber. Sie fürchten, dass zum Beispiel Mehrfachbewertungen möglich seien und damit ein verzerrtes Bild entstehen könnte. Das hält die AOK für ausgeschlossen: "Für die schriftliche Befragung gelten die gleichen Sicherheitsstandards wie für das Online-Verfahren, Datenschutz und die Anonymität der Teilnehmer sind gewährleistet", so die AOK. Jeder schriftliche Fragebogen sei durch einen automatisch generierten Code gekennzeichnet.

Das verhindere Mehrfachbewertungen durch ein- und dieselbe Person. "Für Patienten ist es - genauso wie für die beurteilten Ärzte - besonders wichtig, dass die Ergebnisse einer solchen Befragung aussagekräftig und vertrauenswürdig sind", sagt Professor Raimund Geene, Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen und Partner des Projekts Weisse Liste. "Darum ist der Schutz vor Manipulationen eine zentrale Aufgabe des Projekts", so Geene.

Mehrfachbewertungen würden auch verhindert, wenn sich Versicherte nach dem Ausfüllen des schriftlichen Fragebogens zusätzlich online registrierten, so die AOK. Sie bekämen ihre Bewertungen aus den schriftlichen Fragebögen angezeigt und könnten im Internet ausschließlich weitere Ärzte beurteilen.

Keine Schmähkritik oder unsachgemäße Äußerung

Wenn sie einen bereits bewerteten Arzt erneut beurteilten, werde die ursprüngliche Bewertung automatisch überschrieben. Die aggregierten Ergebnisse für die einzelnen Ärzte werden in der Online-Arztsuche veröffentlicht. Sie werden freigeschaltet, sobald für einen Arzt mindestens zehn Bewertungen von Patienten vorliegen. Durch die Mindestgrenze werde eine einseitige Darstellung auf der Basis weniger Beurteilungen verhindert, betont Geene.

Das neue Angebot der schriftlichen Fragebögen gilt zunächst nur für die drei Pilotregionen Berlin, Hamburg und Thüringen, in denen auch die Online-Befragung angeboten wird. "Der Haupt-Zugangsweg zur Befragung bleibt nach wie vor das Online-Portal unter www.aok-arztnavi.de", betont Jürgen Graalmann. "Wir sprechen unsere Versicherten auf verschiedenen Wegen an und rufen Sie zum Beispiel über unsere Versichertenzeitschriften zur Teilnahme an der Befragung im Internet auf."

So informieren die AOK Nordost (für Berlin), die AOK Rheinland/Hamburg (für Hamburg) und die AOK PLUS (für Thüringen) ihre Versicherten unter anderem mit Plakaten und Informationsbroschüren über den Arztnavigator.

"In der aktiven Ansprache durch die Krankenkasse besteht ein großer Unterschied zu anderen Arztbewertungsportalen im Internet. Wir erwarten, dass sich dadurch die Anzahl von Affekt- und Extrembewertungen von besonders zufriedenen oder unzufriedenen Patienten deutlich verringert und so ein realistisches Bild entsteht", so Graalmann. Zudem verzichte man auf Freitextfelder, so dass "Schmähkritik" oder unsachgemäße Meinungsäußerungen von Patienten ausgeschlossen seien.

Lesen Sie dazu auch:
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