Ärzte Zeitung online, 10.03.2011

Lauterbach-Institut prognostiziert 21 Euro Zusatzbeitrag

BERLIN (dpa). Die 50 Millionen Krankenkassen-Mitglieder müssen nach Berechnung der Universität Köln schon bald weit höhere Zusatzbeiträge zahlen als bislang erwartet.

Lauterbach-Institut prognostiziert 21 Euro Zusatzbeitrag

Uniklinik Köln: Die Gesundheitsökonomen prognostizieren steigende Zusatzbeiträge.

© Chai von der Laage / imago

Bereits Ende dieses Jahres werde der Zusatzbeitrag im Schnitt bei 9 Euro, im kommenden Jahr bei 21 Euro pro Monat liegen, errechnete das Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) laut "Kölner Stadt-Anzeiger" vom Donnerstag. Das Bundesgesundheitsministerium wies die Berechnungen zurück.

Für 2013 gehen die Wissenschaftler von 33 Euro aus. Zum Ende des Jahrzehnts sagt das einst vom heutigen SPD-Abgeordneten Professor Karl Lauterbach geleiteten Institut 120 Euro pro Kassenmitglied und Monat voraus.

Derzeit erheben rund ein Dutzend Kassen Zusatzbeiträge von meist 8 Euro im Monat. Die Bundesregierung hatte angegeben, dass der Zusatzbeitrag 2012 im Schnitt im einstelligen Euro-Bereich bleiben und 2014 zwischen 10 und 16 Euro erreichen könnte.

Mit der Gesundheitsreform stieg der Beitragssatz zu Beginn des Jahres von 14,9 auf 15,5 Prozent. Der Satz wurde eingefroren - alle künftigen Kostensteigerungen werden über Zusatzbeiträge und einen Sozialausgleich aus Steuermitteln beglichen.

Das Kölner Institut unterstellte bei seinen Prognosen eine jährliche Ausgabensteigerung von vier Prozent. Lauterbach zählt zu den schärfsten Kritikern der Reform von FDP-Minister Philipp Rösler. Im Rösler-Ressorts hieß es am Donnerstag, dem Lauterbach-Institut gehe es um Verunsicherung der Menschen.

Ein Sprecher des Ministeriums sagte: "Die genannten Berechnungen sind unseriös und entbehren jeder Grundlage." Eine Finanzierungslücke in der angenommenen Größenordnung sei selbst ohne die jüngsten Reformgesetze, die die Kosten senken sollen, abwegig.

Die AOK Rheinland-Hamburg forderte mehr Wahlleistungen für Kassenpatienten. "Wenn die Versicherten schon mehr zahlen müssen, dann wollen sie auch eine Gegenleistung", sagte Kassenchef Wilfried Jacobs der Zeitung.

Für Zusatzbeiträge infrage kommen alle 50 Millionen Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen; einschließlich der mitversicherten Ehegatten und Kinder gibt es 70 Millionen Versicherte.

[10.03.2011, 18:50:44]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
"Die schärfsten Kritiker der Elche - sind selber Welche"
"Lauterbach zählt zu den schärfsten Kritikern der Reform von FDP-Minister Philipp Rösler." ??? Das ist doch eher eine Lachnummer, genau so wie sein Institut angeblich Teil des Kölner Universitätsklinikums sein soll. Von k l i n i s c h e r Epidemiologie, angeblich Lauterbachs Steckenpferd, habe ich noch nie etwas Substanzielles gehört.

Aber jetzt eher Polemisches:
1. Professor Lauterbach hatte sich als Freund der Hausärzte geoutet. Bis zu dem Zeitpunkt, als er bis 25.000 Euro Strafe für zu spät vergebene Facharzttermine forderte. Mit Verlaub, die meisten Hausärzte sind Fachärzte, Fachärzte für Allgemeinmedizin, Innere Medizin, Pädiatrie oder auch Praktiker nach anderen abgeschlossenen Weiterbildungen. Aber auch Praktische Ärzte unterliegen permanenter Weiterbildungs- und Qualitätssicherungspflicht bzw. haben fachärztliche Standards.
2. Kein Wort bisher vom "Kollegen" Lauterbach zur absurd niedrigen Beitragsbemessungsgrenze (BBG) in der GKV. Im Gegensatz zur Deutschen Rentenversicherung (DRV), wo die BBG im Westen 5.500 Euro mtl. beträgt, wurde die BBG in der Gesetzlichen Krankenversicherung zum 1.1.2011 auf dem Verordnungsweg (BMfAS) von Frau Dr. med. Ursula von der Leyen abgesenkt. Sie liegt jetzt bei 3712,50 Euro Monatsbrutto.
3. Kein Kommentar vom sonst wortgewandten Experten mit der Fliege, dass der SPD-Parteivorstand im November 2010 eine Grundsatzreform der GKV grossspurig ankündigte, die "durchgerechnete Fassung" laut Vorstandsmitglied, Frau Andrea Nahles, aber erst "Anfang April" (gemeint war 2011) der Öffentlichkeit vorstellen möchte.

Die "all-you-can-eat" Mentalität bei GKV-Versicherten, -kassen und Vertragsärzten, die "Flatrate"-Mentalität beim Abgreifen von RLV-, DRG-reglementierten, budgetierten und damit eigentlich rationierten Gesundheitsdienstleistungen möchten die Wissenschaftler des Institut für Gesundheitsökonomie und Klinische Epidemiologie (IGKE) vor lauter Scheuklappen gar nicht wahrnehmen.

Stattdessen wird der Chef vorgeschickt, der dann nach Herzenslust von Zusatzbeiträgen für alle Versicherten von durchschnittlich 9 Euro mtl. Ende 2011, von 21 Euro in 2012 und von 33 Euro in 2013 fantasieren darf. Ende unseres Jahrzehnts sind es dann 120 Euro monatlicher Zusatzbeitrag, o h n e Arbeitgeberanteil, von den GKV-Versicherten a l l e i n e zu tragen, lautet die imaginäre Hiobsbotschaft unseres "verrückten" Professors mit der Glaskugel in der Hand.

Dabei haben der DGB und die Grünen/Bündnis 90 schon Modelle erläutert, bei denen der GKV-Beitragssatz von derzeit 15,5 % auf 13 % a b g e s e n k t werden könnte, wenn die GKV-BBG an die allgemein akzeptierte Beitragsbemessungsgrenze der Deutschen Rentenversicherung (DRV) angeglichen würde. Dann würde auch, und das geht an die Lauterbach'sche SPD und natürlich auch an die "lieben Freunde" der FDP, der Krankheitskostenanteil an den Lohnkosten deutlich abgesenkt.

Wo bleibt die Gradlinigkeit der SPD, mit der sie und besonders der jetzige Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, die Wahlen zum Hamburger Senat sogar mit absoluter Mehrheit gewinnen konnte?

Fragt sich mit freundlichen Grüßen, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM zum Beitrag »

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