Ärzte Zeitung online, 15.05.2011

Vereinigte IKK erhebt rückwirkend einen Zusatzbeitrag

KÖLN (iss). Die unter Druck stehende Vereinigte IKK wird einen Zusatzbeitrag verlangen. Der Verwaltungsrat der Kasse hat am Freitag die Erhebung von acht Euro monatlich rückwirkend zum 1. April beschlossen.

Der Beitrag wird erstmalig am 15. August fällig. Dann müssen die Mitglieder 24 Euro zahlen fürs 2. Quartal nachzahlen. Dann folgen 24 Euro für jedes weitere Quartal.

Die Kasse sucht nach eigenen Angaben allerdings weiter nach strategischen Optionen, die ihr ermöglichen, doch noch an dem Zusatzobolus vorbei zu kommen.

Kommt ein Zusatzbeitrag auf Vereinigte-IKK-Mitglieder zu?

Rückenwind für die Vereinigte IKK? Mit einem Zusatzbeitrag für die Versicherten will die Kasse die finanziellen Schwierigkeiten bekämpfen.

© dpa

Nach Informationen aus Kassenkreisen geht es dabei vor allem um die Fusion mit der IKK Classic. Ein solcher Zusammenschluss war Ende März vom Verwaltungsrat der IKK Classic abgeblasen worden.

BVA fordert Einsparungen bei der Vereinigten IKK

Das Bundesversicherungsamt (BVA) wird nach Informationen der "Ärzte Zeitung" die rückwirkende Erhebung des Zusatzbeitrags von acht Euro nur genehmigen, wenn sie Teil eines umfassenden Sanierungskonzepts für die Kasse ist.

Es soll nach Ansicht der Aufsicht neben einer Finanzhilfe aus dem IKK-System auch Einsparungen bei der Vereinigten IKK vorsehen.

Der Verwaltungsrat hat in seiner Sitzung wie vom BVA gefordert auch die Einrichtung eines Sanierungsausschusses beschlossen.

Dort sitzen neben dem Vorstand und dem Verwaltungsrat Vertreter des GKV-Spitzenverbands, des BVA und der IKKen, die sich an der Finanzhilfe beteiligen wollen.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund:
Teure Leistungen bringen die Vereinigte IKK ins Schleudern

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (16124)
Organisationen
BVA (430)
IKK (830)
[15.05.2011, 20:23:40]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Die Jungen, Gesunden gehen! | Die Alten, Multimorbiden bleiben?
Auch der kluge Hintergrundbericht über die "Vereinigte IKK" von Ilse Schlingensiepen ändert nichts, wenn die Politik der Regierungskoalition den Gesundheitsfonds und damit manche GKV-Kasse zu Tode reitet. Die Krankenkassen bekommen trotz Konjunkturaufschwung und höherer Fondseinnahmen weiter nur so viel Geld, wie im Herbst 2010 schematisch festgelegt wurde. Auch die allgemeine Beitragssatzerhöhung um 0,6 % und einseitig n u r bei allen Versicherten zu erhebende Zusatzbeiträge kommen bei den Krankenkassen gar nicht direkt an.

Die aktuellen Zahlen des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) und seines Finanzexperten, Dr. Alfred Boss, sagen für 2011 ein Gesamt-GKV-Überschuss von 5,8 Milliarden Euro voraus. Schon Anfang März 2011 lagen die GKV-Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums (BGM) für 2010 bei einem P l u s von 3,755 Milliarden Euro, weil die Liquiditätsreserven nach abgelaufenem Rechnungsjahr dann den GKV-Kassen zustehen. Diese wurde ihnen vorenthalten, ebenso wie die Beitragssatzerhöhung auf 15,5 Prozent ab 1.1.2011.

[http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/sozialkassen-erzielen-milliardenueberschuesse/4086894.html
www.ifw-kiel.de
Eigene Recherchen bzw. Berechnungen]

Ein grundsätzliches Dilemma wurde bisher kaum beachtet: Erhebt eine GKV-Kasse Zusatzbeiträge, wie das die Vereinigte IKK jetzt sogar rückwirkend zum 1.4.2011 machen will oder gerät in finanzielle Schieflage, sind die jungen, gesunden, mobilen und nichtmorbiden Versicherten die E r s t e n, die in eine andere Kasse wechseln. Während die Alten, Kranken, Immobilen, Multimorbiden eher in ihrer
"kränkelnden" Kasse bleiben. Und bei Insolvenz größte Probleme haben, eine neue, aufnahmebereite Krankenkasse zu finden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »