Ärzte Zeitung online, 16.05.2011

"Keine Empfehlung für City BKK-Versicherte"

Als erste Krankenkasse wurde die City BKK geschlossen. Nun suchen rund 140.000 Mitglieder eine neue Kasse - teils mit erheblichen Problemen. Die City BKK wird von Anfragen ihrer Versicherten überhäuft. Erste Rufe nach gesetzlichen Regelungen werden laut.

"Keine Empfehlung für City BKK-Versicherte"

City BKK: "Ich bin - bald nicht mehr - versicherter!"

© dpa

BERLIN/STUTTGART/KÖLN (fst/iss). Die vor der Schließung stehende City BKK betont ihre strikte Neutralität bei der Frage, wohin die Versicherten nach dem 30. Juni wechseln. "Wir hätten überhaupt keine Zeit, Versicherten vorbereitete Anträge vorzulegen oder Empfehlungen auszusprechen", sagte City BKK-Vorstand Oliver Reken der "Ärzte Zeitung".

Reken wies Gerüchte zurück, die Kasse würde Versicherte mit "guten" Risiken an andere Betriebskrankenkassen empfehlen, "schlechte" Risiken dagegen an andere Kassenarten verweisen.

Das Problem vieler City BKK-Versicherter, eine andere Kasse zu finden, sei noch längst nicht gelöst. Die Hotline der Kasse sei völlig überlastet, nur jeder dritte Anrufer komme zur Zeit durch. Es handele sich nicht um Einzelfälle, dass Versicherte abgewimmelt würden, so Reken.

Viele Kassen haben ihre Aufnahmeformulare vom Netz genommen

Die City BKK habe daher ein "neutrales Aufnahmeformular" ins Internet gestellt, das Versicherte bei der Suche nach einer neuen Kasse verwenden können. Denn etliche Kassen hätten ihre Online-Auftritte so umgestaltet, dass Aufnahmeanträge nicht mehr ausgefüllt oder heruntergeladen werden können.

Die Kasse bietet im Netz ein eigenes Formular an, mit dessen Hilfe Versicherte ihre negativen Erfahrungen an die City BKK melden können. "Diese Fälle sammeln wir und geben sie an das Bundesversicherungsamt weiter", kündigte Reken an.

Jacobs: Automatisch im System weiterversichern

Unterdessen macht sich die AOK Rheinland/Hamburg für eine klare gesetzliche Regelung im Umgang mit Kassenwechslern nach der Schließung einer Kasse stark.

"Die Versicherten einer solchen Kasse sollten automatisch im System derselben Kassenart weiterversichert bleiben", sagt der Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland/Hamburg, Wilfried Jabcobs, der "Ärzte Zeitung". Wenn ein Versicherter von sich aus das System wechseln wolle, könne er das natürlich tun.

Diese Forderung werde vom AOK-System unterstützt, sagt Jacobs. Sie hätte nach seiner Ansicht zwei Vorteile. Zum einen würde sie der Risikoselektion einen Riegel vorschieben, wie sie jetzt offensichtlich bei Versicherten der City BKK betrieben wird.

Zum anderen würde die Vorgabe die Motivation innerhalb der Kassenarten erhöhen, Schwesterkassen finanziell zur Seite zu springen, die finanziell unter Druck stehen, sagt Jacobs: "Bei der City BKK gehört der Ball ins Spielfeld der BKKen."

Er verweist auf das Beispiel der AOK Hamburg und der AOK Berlin, die ähnliche Probleme wie die City BKK hatten. "Diese Kassen sind nicht pleite gegangen, sondern die AOK-Familie hat ihnen durch Fusion geholfen."

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