Ärzte Zeitung online, 31.05.2011

Genesungswerk wirft Kassen vor, bei Müttern zu sparen

BERLIN (af). Die Krankenkassen stehen erneut im Verdacht, Versicherte abzuwimmeln. Es entstehe der Eindruck, dass die Kassen bei Mütter-Kind-Kuren Sparversuche unternähmen, sagte Anne Schilling, Geschäftsführerin des Müttergenesungswerkes (MGW) bei der Vorstellung des Jahresberichts am Dienstag in Berlin.

Bei 68.000 vom Müttergenesungswerk in 2010 beratenen Müttern hatten die Kassen zunächst 34 Prozent der Anträge abschlägig beschieden. In den darauf hin eingeleiteten rund 14.800 Widerspruchsverfahren habe sich dann herausgestellt, dass mehr als die Hälfte dieser Ablehnungen unbegründet gewesen sei, sagte Schilling.

39.000 Mütter nahmen letztendlich an den meist dreiwöchigen Kuren teil. Dabei wurden sie von insgesamt 56.000 Kindern begleitet. Wie viele Mütter eine Kur ohne die Hilfe des Müttergenesungswerkes beantragt haben, sei nicht bekannt, sagte Schilling.

Damit liege die Zahl nur noch knapp über der des Jahres 2006, sagte Schilling. Damals führte der Gesetzgeber Mütter-Kind-Kuren als Pflichtleistungen der Krankenkassen ein.

Die Arbeit von Müttern werde nach wie vor zuwenig gewürdigt, sagte Bettina Wulff. Die Frau des Bundespräsidenten ist traditionell Schirmherrin des Müttergenesungswerks. "Es gibt einen Konflikt zwischen dem Bedarf und dem, was die Kassen bereit sind zu bezahlen", sagte Wulff.

Den Bedarf hat das Bundesfamilienministerium beziffert. Etwa 2,1 Millionen Mütter sollen demnach kurbedürftig sein. Während die Aufwendungen der gesetzlichen Krankenversicherung steigen, haben die Ausgaben für die Mütter-Kind-Kuren zum Sinkflug angesetzt.

Von 2009 auf 2010 sanken sie nach Angaben des MGW um fast zehn Prozent von 316  655 Millionen auf 287.568 Millionen Euro. Zwei Kliniken habe das MGW aus wirtschaftlichen Gründen schließen müssen.

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