Ärzte Zeitung, 19.07.2011

Psychotherapeuten haben die längsten Wartezeiten

Eine Umfrage der AOK Rheinland/Hamburg sorgte für Aufsehen: Kassenpatienten müssen länger auf einen Arzttermin warten als Privatversicherte. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Am längsten warten Patienten bei Psychotherapeuten - egal, wie sie versichert sind.

Termin beim Psychotherapeuten — da ist Geduld gefragt

Bei der Psychotherapeutin: Einen Termin zu ergattern, kann dauern, hat die AOK Rheinland/Hamburg ermittelt.

© Reinhard Kurzendörfer / imago

KÖLN (akr). Der NAV Virchow-Bund übt scharfe Kritik an den von der AOK Rheinland/Hamburg veröffentlichten Ergebnissen zu langen Wartezeiten von gesetzlich krankenversicherten Patienten für einen Termin beim Facharzt.

Nach einer Umfrage der AOK Rheinland/Hamburg bekommen Privatpatienten deutlich schneller einen Termin. Der Verband wertet die Umfrage als "Auftragsstudie ohne Aussagekraft" der "AOK im Sommerloch".

Mitarbeiter der AOK Rheinland/Hamburg hatten im Juni mehr als 800 Mal in Praxen in ihrem Geschäftsbereich angerufen und zunächst als Kassen- und beim zweiten Mal als Privatpatienten um einen Termin gebeten. Dabei ging es nicht um eine Notfallversorgung.

Lange Wartezeit auf für Privatversicherte

Die Wartezeit für Kassen- und für Privatpatienten war am längsten bei Psychotherapeuten. Nach Angaben der AOK mussten sich die gesetzlich versicherten Anrufer hier 93,7 Tage gedulden, die privat Versicherten 88,4 Tage.

Auf einen Termin bei Kardiologen warteten die GKV-Patienten im Schnitt rund 71 Tage, privat Versicherte nur 19 Tage. Bei Radiologen betrug die Frist 46 Tage gegenüber sieben, bei Augenärzten 37 Tage gegenüber 16 und bei Orthopäden 22 Tage gegenüber sechs Tagen.

Auf Grundlage dieser Ergebnisse fordert Kassenchef Winfried Jacobs Sanktionen für Ärzte, die Kassenpatienten länger warten lassen. Er will nicht mehr mit Medizinern zusammenarbeiten, die gesetzlich Versicherte benachteiligen.

Scharfe Antwort vom NAV Virchow-Bund

Der NAV Virchow-Bund weist die Kritik zurück. "Die Kassen vergießen Krokodilstränen", sagt der Bundesvorsitzende Dr. Dirk Heinrich. Es gäbe andere Untersuchungen, die zu konträren Ergebnissen kommen würden.

Bislang hat die AOK erst Auszüge aus der Untersuchung veröffentlicht. "Die Untersuchung ist in der Endfertigstellung und geht dann zuerst an die KV Nordrhein", sagt der Sprecher der AOK Rheinland/Hamburg André Maßmann.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Warum Patienten warten müssen

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