Ärzte Zeitung, 20.07.2011

Kommentar

Warum Patienten warten müssen

Von Anja Krüger

Die AOK geht mit Zahlen zu längeren Wartezeiten für Kassenpatienten aus einer selbst getätigten Umfrage an die Öffentlichkeit, die sich hervorragend zum Generalangriff auf Ärzte eignen. Ja, es ist ein Skandal, wenn Kassenpatienten 71 Tage auf einen Termin beim Kardiologen warten müssen und Privatpatienten nur 19.

 Aber: Haben die Kassen mit ihrer gar nicht mehr so neuen Vertragsfreiheit nicht längst Instrumente in der Hand, dagegen etwas zu tun? Mal abgesehen davon, dass bei vielen Hausärzten die Termine für die Behandlung beim Facharzt von den Mitarbeiterinnen in der Praxis gemacht werden - und die Wartezeiten in der Regel deutlich kürzer sind, übrigens auch für Privatpatienten.

Ein Problem aber kann der bestorganisierteste Hausarzt nicht lösen: fehlende Behandlungskapazitäten. Im Rheinland und in Hamburg müssen Kassenpatienten der AOK zufolge 93,7 Tage auf einen Termin bei einem Psychotherapeuten warten.

Privatpatienten sind zwar fünf Tage eher dran, aber müssen ebenfalls fast drei Monate warten. Statt mit dem Finger auf Ärzte zu zeigen, sollten sich die Kassen lieber um die Beseitigung dieser dramatischen Unterversorgung kümmern.

Lesen Sie dazu auch:
Psychotherapeuten haben die längsten Wartezeiten

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