Ärzte Zeitung online, 01.08.2011

AOK Rheinland greift im PKV-Markt an

Der Systemwettbewerb zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung ist ungebrochen. Spätestens seit den Wahltarifen bekommt das die PKV zu spüren. Nun legt ein Vorreiter unter den gesetzlichen Kassen nach - mit einem Brillentarif, "günstiger als die Privaten".

AOK Rheinland greift im PKV-Markt an

Brille? AOK Rheinland! Die Kasse bietet Versicherten jetzt einen Wahltarif für die Sehhilfen an.

© Jitalia17 / iStockphoto

KÖLN (iss). Die AOK Rheinland baut ihr Angebot an eigenen Zusatzversicherungen weiter aus. Seit dem 1. Juli bietet die Krankenkasse ihren Versicherten einen Brillentarif an und tritt damit erneut in direkte Konkurrenz zu den privaten Krankenversicherern.

Die AOK Rheinland/Hamburg hatte im April 2007 als erste gesetzliche Kasse Zusatzpolicen in Bereichen angeboten, die bis dato ausschließlich der PKV vorbehalten waren. Dazu gehören Deckungen für Auslandsreisen oder Zahnersatz.

Die Kasse stützt sich dabei auf den Paragrafen 53 im Sozialgesetzbuch V (Wahltarife). Die Versuche der PKV, der Kasse diese Aktivitäten gerichtlich verbieten zu lassen, waren erfolglos.

Inzwischen sind eine Reihe anderer Kassen dem Beispiel der größten rheinischen Kasse gefolgt. So bieten alle AOKen ihren Versicherten Auslandsreisekrankenversicherungen an.

AOK will günstiger sein als die private Konkurrenz

Der Wahltarif "vigo select Brille" bietet Versicherten alle drei Jahre einen Zuschuss zur Brille. Den maximalen Erstattungsbetrag von 250 Euro können sie dabei im dritten Versicherungsjahr erreichen. Im ersten Jahr gibt es 125 Euro, im zweiten 175 Euro. Der Tarif kostet 6,70 Euro im Monat.

"Wir wollen mit unserem neuen Angebot günstiger sein als die privaten Versicherer, und uns auch im Service abheben", sagt Vorstand Rolf Buchwitz der "Ärzte Zeitung".

Die AOK erstattet die Kosten für eine Brille, wenn ein Augenarzt oder ein Optiker die Notwendigkeit bestätigt haben. Der Wahltarif umfasst auch Zusatzleistungen wie die Entspiegelung oder die Tönung der Gläser.

"Die Erfahrungen aus unseren Wahltarifen zeigen, dass unsere Kunden gerade derartige Zusatzleistungen wünschen und wählen", sagt Buchwitz.

Die AOK Rheinland/Hamburg hat bislang 260.000 Zusatzpolicen verkauft. Davon sind rund 200.000 Auslandsreisekrankenversicherungen und 20.000 Deckungen für Zahnersatz und Zahnprophylaxe. Geringer nachgefragt werden Policen für die Unterbringung im Krankenhaus-Einbettzimmer oder die Chefarztbehandlung.

Zusatzversicherung trägt sich selbst

Bei der Brillenversicherung sind Reparaturen nicht eingeschlossen. "Das wäre nicht kalkulierbar", sagt Buchwitz. Der Zusatztarif sei so berechnet, dass er sich selbst trägt. Quersubventionierungen zwischen den Tarifen sind den Krankenkassen gesetzlich verboten.

Alle Zusatzversicherungen der AOK Rheinland/Hamburg seien sauber kalkuliert und finanzieren sich, betont er. Gerade aus den Reihen der PKV wird das immer wieder bezweifelt.

Eine außergewöhnliche Leistungs-Inanspruchnahme gebe es bei den Zusatzpolicen nicht. "Wir stellen in allen Tarifen ein normales Leistungsgeschehen fest."

Die AOK Rheinland/Hamburg hat mit der UKV und der DKV auch zwei private Kooperationspartner für Zusatzversicherungen in Bereichen, in denen sie nicht selbst tätig werden kann. Die Zusammenarbeit mit der DKV hat die Kasse allerdings zum Jahresende beendet.

Buchwitz setzt auf den kontinuierlichen Ausbau des Angebotes an Zusatzversicherungen. "Wir machen auf diesem Weg weiter."

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