Ärzte Zeitung online, 19.08.2011

"Arztlotse" erhält beim Start Gegenwind

Schulnoten für Ärzte und Platz für persönliche Kommentare. Das für alle Internetnutzer frei zugängliche Arztinformations- und bewertungsportal "vdek-Arztlotse" ist nun auch offiziell online. Die Bundesärztekammer bewertet das Portal mit der Note sechs.

Von Anno Fricke

"Arztlotse" will bei der Arztsuche helfen

Blick auf die Startseite des neuen Arztsuche- und bewertungsportals der meisten Ersatzkassen.

© [M] LVDESIGN / fotolia.com

BERLIN. Der "Arztlotse" des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) ist seit Freitag offiziell online. Dabei handele es sich um ein nicht kommerzielles Informationsportal im Internet, das gesetzlich Versicherten bei der Arzt- Zahnarzt-, Psychotherapeuten- und Notfallambulanzensuche helfen solle, sagte vdek-Chef Thomas Ballast bei der Vorstellung des Angebots am Freitag in Berlin. Es erlaube den Zugriff auf 240.000 Arztadressen.

Nicht dabei ist mit der Barmer GEK die größte Ersatzkasse, die sich dem "Arztnavi" von AOK und der Weissen Liste der Bertelsmann Stiftung angeschlossen hat. Die Techniker Krankenkasse wiederum beteilige sich nicht an dem Bewertungsmodul, in dem Patienten ihre Arztbesuche kommentieren können, sagte Ballast.

Die Verträge zum Betrieb des Portals seien zunächst für die Dauer von zwei Jahren abgeschlossen. Besucher des Portals finden schon heute rund 150.000 Bewertungen von Ärzten, die die Stiftung Gesundheit als Partnerin in die Zusammenarbeit einbrachte.

Der "Arztlotse" baue auf deren "Arzt-Auskunft" auf, erklärte Ballast. Im Boot ist auch der BKK-Bundesverband, der sich nach eigenen Angaben der Bewertungssystematik der Stiftung Gesundheit angeschlossen hat. Der "Arztnavigator" der AOK greift ebenfalls auf den Arztdatenbestand der Stiftung Gesundheit zu.

Als Hauptunterschiede zum "Arztnavi" bezeichnete Ballast, dass Versicherte sich nicht registrieren müssten und dass persönliche Kommentare möglich seien.

Ein Redaktionsteam sorge dafür, dass Schmähkritik ausgeschlossen sei, sagte Dr. Peter Müller von der Stiftung Gesundheit. Etwa zehn Prozent der Anmerkungen enthielten Beschimpfungen und würden aussortiert, sagte Projektleiterin Ulrike Elsner.

Die Bundesärztekammer bewertetet das neue Portal mit dem Hinweis: "Kopfnote: avanti deletanti, Schulnote: sechs". BÄK-Präsident Dr. Frank Ulrich Montgomery sagte: "Dem vdek war offenbar mehr daran gelegen, seinen Mitgliedskassen ein hastig zusammengeschustertes Marketinginstrument an die Hand zu geben, als daran, den Versicherten ein seriöses Informationsangebot zur Verfügung zu stellen."

Das Angebot verspreche Orientierung bei der Arztsuche, doch gleichzeitig müsse der vdek schon bei der Vorstellung des Portals einräumen, "dass er nicht in der Lage ist, einen Missbrauch der Seite auszuschließen".

Montgomery verwies außerdem auf die Qualitätskriterien des Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin (ÄZQ). "Anders als die AOK, die sich bei der Entwicklung ihres Arztnavigators zumindest partiell an den Vorgaben der ÄZQ orientiert hat, war dem vdek aber nicht an einer Zusammenarbeit mit der Ärzteschaft gelegen."

Dem vdek, so der BÄK-Präsident, "sollte es zu denken geben, dass sich die größte Ersatzkasse, die Barmer GEK, am Konkurrenzportal der AOK beteiligt".

Der Hausärzteverband bemängelte an dem Portal, dass es Überversorgung mit geeigneten Ärzten suggeriere. "Wohin soll der Lotse führen, wenn ganze Landstriche und Stadtteile ohne Hausarztpraxen sind", fragte Verbandschef Ulrich Weigeldt.

www.vdek-arztlotse.de

[23.08.2011, 09:00:07]
Uwe Schneider 
Originäre Arzt-Auskunft besser als Arztlotse
Selbst die originäre Version der Arzt-Auskunft der Stiftung Gesundheit (http://www.arzt-auskunft.de/) ist besser als die für Krankenkassen angepasste Variante. In der ersteren Version wird immerhin neben der Patientenzufriedenheit (mit dem Problem der möglichen Doppelbewertungen) auch Patientenservice (Sprechstundenzeiten etc.), Patientensicherheit (wenn auch nur formal, d.h. nach etabliertem QM-System) und v.a. medizinische Reputation durch einigermaßen methodisch abgefragte Empfehlungen von Kollegen bewertet. zum Beitrag »
[22.08.2011, 14:33:22]
Dr. Birgit Bauer 
Veruntreuung von Beitragsgeldern ?
Wer schiebt endlich derart unsinnigem Tun einen Riegel vor ?
Wie lange müssen Beitragszahler immer höhere Kosten im Rahmen der GKV zur Finanzierung völlig artfremder Leistungen tragen?
Vielleicht könnten die Jurnalisten des Ärzteblatts mal recherchieren und die Ergebnisse öffentlich machen!
m.f.G.
Dr.med.Birgit Bauer zum Beitrag »

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