Freitag, 25. Mai 2012
Ärzte Zeitung, 31.08.2011

NRW: Immer mehr Klinikflüchtlinge

Die Zahl der Patienten, die gegen den ärztlichen Rat die Klinik verlassen, ist innerhalb des letzten Jahres deutlich gestiegen.

Immer mehr Patienten brechen in NRW Krankenhausbehandlungen ab

Leeres Bett: In NRW brechen immer mehr Patienten ihren Krankenhausaufenthalt ab.

© Ariene-foto / fotolia.com

KÖLN (iss). Die Zahl der Patienten, die eine Krankenhausbehandlung gegen ärztlichen Rat frühzeitig abbrechen, ist in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr um elf Prozent gestiegen. Nach einer Berechnung der Techniker Krankenkasse (TK) verließen rund 64.000 Patienten die Klinik vorzeitig, das waren elf Prozent mehr als 2009.

Insgesamt wurden 1,6 Prozent der 4,2 Millionen stationären Behandlungen frühzeitig abgebrochen.

Die TK stützt ihre Berechnungen auf die Datenbank "ProClarity" des Ersatzkassenverbands.

Höchste Abbrecherquote bei den psychisch Kranken

Die höchste Abbrecherquote gab es bei Patienten mit psychischen Erkrankungen mit einem Anteil von 9,4 Prozent, gefolgt von Verletzungen und Vergiftungen mit 4,3 Prozent.

Für den Abbruch eines stationären Aufenthalts könne es im Einzelfall nachvollziehbare Gründe geben, etwa eine alleinerziehende Mutter, die sich um ihr Kind kümmern muss, sagt TK-Sprecher Christian Elspas.

Er bezeichnete es als bedenklich, dass auch Patienten mit infektiösen und parasitären Erkrankungen die Klinik vor Abschluss der Behandlung verlassen. Das waren im vergangenen Jahr 376 Patienten oder 3,5 Prozent.

"Die Krankenhäuser können in den meisten Fällen nicht viel machen, wenn ein Patient gegen den ärztlichen Rat gehen will", sagt Lothar Kratz, Sprecher der Krankenhausgesellschaft NRW.

Erneute Aufnahme verursacht Kosten und höheren Behandlungsaufwand

Müssten die Patienten wieder aufgenommen werden, erhöhe das den Behandlungsaufwand und die Kosten für das System, betont er.

Für Kliniken seien solche Fälle auch deshalb problematisch, weil durch die erneute Aufnahme die Behandlungsdauer länger ausfallen könnte, als es die diagnosebezogene Fallpauschale vorsehe.

| Share
[05.09.2011, 15:50:16]
Dr. Michael Rost 
Unbeholfenheit? Angst?
Man hat den Eindruck, dass auch immer mehr Patienten - häufig am Hausarzt vorbei - die Kliniken mit relativ banalen Beschwerden überfluten, man hält ja offensichtlich kaum noch aus, zweimal nachts mit Durchfall auf die Toilette zu müssen, und wupps gehts in die Klinik. Oder Kopfschmerzen seit zehn Minuten, oder Fieber von 38 Grad und ein bisschen Husten. Dann ist die Banalität schnell vorbei, und man will natürlich wieder nach Hause, wenn man sich wieder besser fühlt. Es ist die Entfremdung vom eigenen Körper und dessen gelegentlich nicht ganz störungsfreien Funktionen, die hier eine Rolle spielen. zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

EHEC-Therapie - leicht gemacht?

Mehr als 800 Menschen sind schwer krank und liegen in den Kliniken - das war die Situation vor einem Jahr während der EHEC-Epidemie. Doch was war die richtige Therapie? Jetzt gibt es neue Daten - und Fragezeichen. mehr »

Ärzte, vernetzt Euch!

Vom Deutschen Ärztetag soll ein Aufruf ausgehen für mehr vernetztes Arbeiten von Ärzten. Doch die Botschaft stieß nicht auf einhellige Begeisterung. Denn Kooperationen bergen auch das Risiko neuer Abhängigkeiten für Ärzte, warnten Delegierte. mehr »

Ein Jahr nach EHEC: "Viele Ärzte haben gar nicht gemeldet"

Viel wurden die Behörden während der EHEC-Epidemie gescholten. Doch auch an der Basis, bei den Ärzten, lief nicht alles rund. Im Interview zieht der Chef-Epidemiologe vom Robert Koch-Institut, Professor Gérard Krause, Lehren und spricht über selbst ernannte Experten. mehr »