Ärzte Zeitung online, 30.09.2011

Stabübergabe bei der AOK

BERLIN (eb). Ab Samstag hat der AOK-Bundesverband einen neuen Vorstand. Nachfolger des langjährigen Vorstandsvorsitzenden Dr. Herbert Reichelt wird Jürgen Graalmann. Ihm zur Seite im geschäftsführenden Vorstand steht künftig Uwe Deh.

Stabübergabe bei der AOK

Graalmann ist neuer Chef des AOK-Bundesverbands.

© AOK-BV

Das neue Führungsteam will nach Angaben der AOK den Bundesverband als "einen der wichtigsten Akteure im Gesundheitswesen" verankern.

Es gehe darum, "für die 24 Millionen AOK-Versicherten die besten Lösungen zu erzielen", so der Bundesband in einer Mitteilung.

Graalmann ist seit Januar 2009 geschäftsführender Vorstand. Er zeichnet auch künftig für die Bereiche Politik, Kommunikation, Markt und Produkte, Recht sowie Services verantwortlich.

Uwe Deh war zuvor Vorstandsvorsitzender der AOK Sachsen-Anhalt. Er wird im Vorstand künftig die Bereiche Versorgung/Verträge, Finanzen, das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO), Medizin sowie die EDV-Steuerung verantworten.

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[01.10.2011, 14:32:25]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
AOK - von der verbalen Provokation zur "digitalen Prävention"?
Der neue Vorstandsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes (AOK-BV) und Nachfolger von Dr. Herbert Reichelt, Herr Jürgen Graalmann, hat sich schon vorab selbst eine Menge Steine in den Weg gelegt.

Mit seiner aberwitzigen Interpretation der vom AOK-BV in Auftrag gegebenen "YouGovPsychonomics"-Studie mit dem harmlosen Titel: "Budgetvorgaben, Arbeitsbelastung und Praxisöffnungszeiten am Quartalsende" hatte er sich schon blamiert. Graalmann 'vergaß' einfach, dass Vertragsärzte/-innen auch am Quartalsende Urlaub machen müssen. Denn ärztliche Fortbildungspflicht, jährliche Urlaubszeit bzw. mögliche Krankheitsausfälle ergeben über 8 Wochen/Jahr. Aus realen AOK-Vereinbarungen mit KVen und KBV über 20 Praxissprechstundenzeiten pro Woche (die tatsächliche Inanspruchnahme liegt höher) wollte der jetzige AOK-Chef messerscharf auf 51 Wochenarbeitsstunden der Vertragsärzte für seine GKV schließen. Erst ab der 52. Wochenstunde wolle er IGEL- und Privatleistungen zugestehen.

Abgedreht auch die Positionen von Karl-Heinz Schönbach, Geschäftsführer Versorgung AOK-BV. Der suggerierte allen Ernstes bei 10.000 Medizin-Uniabsolventen in 2009, diese würden alle an der 'prallen' Überversorgung in der GKV teilnehmen, wehklagte aber zugleich, Deutschland würde viel zu viele Mediziner für die Schweiz und Österreich m i t ausbilden.

Kein Dementi hörte man von Jürgen Graalmann, als der GKV-Spitzenverband, dem auch der AOK-BV angehört, mit seinem fadenscheinigen Gutachten der schweizerischen PROGNOS-AG die ersatzlose Streichung von angeblich 12.000 "überflüssigen" Facharztsitzen gefordert hatte: Dazu noch die Abfindung und Liquidierung dieser Arztsitze durch die KVen bzw. die KBV selbst!

Positiv bewerten muss man die AOK-BV-Positionen zum Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats des Bundesversicherungsamtes. Dieses räume mit Vorurteilen gegen den Morbi-RSA auf. Der Ausgleich sei ein "zwingend notwendiger Bestandteil" einer wettbewerblich orientierten GKV. Doch für gesunde Versicherte erhielten die Kassen nach wie vor zu viel Geld. Daher seien "Feinjustierungen" nötig, um die richtigen Wettbewerbsanreize im Morbi-RSA zu stärken, so J. Graalmann. Doch dann sollte er konsequenter Weise 'seinen' GKV-Spitzenverband zurückpfeifen, der wider besseres Gutachtenwissen unsere aufwändige ärztliche ICD-10-GM Kodierung durch völlig unnötige Ambulante Kodierrichtlinien (AKR) ersetzt sehen möchte.

Schluss mit Lustig: Der AOK-BV hatte unter der Schirmherrschaft der Bundesministerien BMG und BMBF den "AOK-Leonardo - Gesundheitspreis für Digitale Prävention" ausgelobt. Damit war aber wohl kaum die tägliche 'digitale Prävention' der Urologen, Gastroenterologen, Proktologen bzw. Hausärztinnen und Hausärzte gemeint, die dafür eher keinen Leonardo-Preis bekommen sollen. Zumal diese 'digitalen' Bemühungen preismäßig im Regelleistungsvolumen (RLV) oder in den Vorsorgeziffern verschwinden.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
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