Ärzte Zeitung, 06.10.2011

Patienten lechzen nach Informationen

BERLIN (sun). Viele Patienten halten sich aufgrund fehlender Informationen nicht an die ihnen verordnete Therapie. Experten gehen davon aus, dass dadurch im Gesundheitswesen jedes Jahr Kosten in Höhe von zehn Millionen Euro entstehen.

Patienten lechzen nach Informationen

Sprechstunde beim Arzt: Es klafft eine kritische Informationslücke zwischen Arzt und Patient.

© dpa

Patientenvertreter sehen hier eine kritische Informationslücke, die Ärzte kaum noch füllen könnten.

"Ärzte geraten immer mehr unter Zeitdruck und können ihren Patienten die Informationen nur im Vorbeigehen mitteilen", kritisierte Patientenvertreter Wolfram-Arnim Candidus anlässlich der UCB Pharma-Veranstaltung "Gesundheitscoaching durch die Industrie - Nutzen für den Patienten?" in Berlin.

Viele Patienten durchsuchen das Web

90 Prozent der Patienten wünschten sich allerdings eine verständliche und umfassende Informationen über ihre Erkrankung und deren Behandlung. Viele versuchten dann, im Internet fündig zu werden.

Mit verheerenden Folgen: 74 Prozent der im Internet gefundenen Informationen zu Wirkstoffen und Produkten der verschreibungspflichtigen Medikamente haben einer Prognos-Studie zufolge Qualitätsdefizite.

Aus diesem Grund warb Candidus dafür, die Rolle der pharmazeutischen Industrie bei der Patienteninformation zu stärken.

Gewachsenes Informationsbedürfnis

Das Informationsbedürfnis der Patienten sei zudem in den vergangenen Jahren gewachsen, ergänzte die Fachärztin für Innere Medizin, Dr. Martina Henrich. Arzneimittelhersteller seien daher in der Pflicht, nicht nur Medikamente, sondern auch Informationen zu liefern.

Die Art und Weise müsse allerdings klar definiert werden: Werbung sei tabu. Zudem müsse der Arzt weiterhin der erste Ansprechpartner für Patienten bleiben.

[07.10.2011, 09:38:14]
Dr. Rolf Ohlrogge 
Individuelle Patientenberatung durch die Industrie
Abgesehen davon, dass das Heilmittelwerberecht der Industrie eine individuelle Beratung von Patienten nicht erlaubt, wäre eine solche ärztliche Leistung in Zeiten von billigst Arzneimitteln kaum kostenfrei zu erbringen. Den Versuch mit einer 180er Telefonnummer hat es vor Jahren von unabhängiger Seite bereits gegeben, er war nur wirtschaftlich nicht durchzuhalten.Es ist auch nicht zu erwarten, dass Ärzte- wie auch Apothekerschaft bereit sind, diesen intergralen Teil ihrer Verantwortung auch nur teilweise abzutreten. zum Beitrag »

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