Ärzte Zeitung, 21.10.2011

Hintergrund

DMP Asthma macht Hausärzten keine Freude

Hausärzte nehmen oft mehr aus wirtschaftlichen als aus medizinischen Gründen am DMP Asthma teil. Sie hadern auch nach Jahren noch mit dem Dokumentationsaufwand und fürchten eine Kontrolle der Kassen durch die Hintertür. Zudem ist nicht bewiesen, dass sich die Behandlungsergebnisse durch das DMP signifikant verbessert haben.

Von Ilse Schlingensiepen

DMP Asthma macht Hausärzten keine Freude

Eine Ärztin zeigt einer Asthmapatientin, wie sie richtig inhalieren soll. Solche Schulungen sind Bestandteil der DMP.

© Leszczynsk / fotolia.com

Zwar ist das Disease Management Programm (DMP) Asthma inzwischen in allen Kassenärztlichen Vereinigungen eingeführt, viele Hausärzte nehmen daran teil.

Keine nachweisbare Verbesserung

So richtig warm geworden sind die meisten mit dem Programm aber immer noch nicht. Zudem ist bislang nicht nachweisbar, dass sich die Behandlungsergebnisse der Patienten mit Asthma durch das DMP signifikant verbessert haben.

Das zeigen aktuelle Untersuchungen, die beim 8. "Tag der Forschung in der Hausarztpraxis" des Instituts für Allgemeinmedizin und Familienmedizin der Universität Witten/Herdecke vorgestellt wurden.

597 ausgewertete Bögen

Mitarbeiter des Instituts haben Hausärzte zu ihren Erfahrungen mit dem DMP Asthma befragt. Teil der Untersuchung "Zwischen Strukturierung und Datenmüll - Wie erleben Hausärzte DMP?" war die Diskussion über das Thema mit 40 Hausärzten aus Nordrhein-Westfalen.

Zum anderen erhielten 2500 zufällig ausgewählte Hausärzte aus neun KVen einen Fragebogen. 597 Bögen konnten die Wissenschaftler auswerten.

Grundskepsis ist geblieben

Die Diskussion in den Fokusgruppen zeigte durchaus unterschiedliche Einschätzungen der Behandlungsprogramme, berichtete Dr. Bettina Bücker, Wissenschaftliche Mitarbeiterin des Instituts.

Aber: "Die Grundskepsis gegenüber DMP und das Misstrauen gegenüber politischen Entscheidern und Kassen ist geblieben", nannte sie ein zentrales Ergebnis. Die DMP würden von vielen als eine Maßnahme empfunden, die ihre Autonomie einschränkt.

Die Patientenschulungen kamen bei den meisten Hausärzten gut weg, die Dokumentationen nicht. Die Ärzte sähen in den DMP in der heutigen Form kein adäquates Mittel, um eine leitliniengerechte Behandlung zu gewährleisten, sagte Bücker.

"Die inhaltliche Überzeugung fehlt"

Trotzdem nehme die Hälfte der Hausärzte überwiegend aus pragmatischen Gründen wie der extrabudgetären Vergütung an den Programmen teil. "Die inhaltliche Überzeugung fehlt."

Die Auswertung der Fragebögen zeigte, dass das DMP Asthma aber insgesamt positiver gesehen wird als zur Zeit der Einführung, sagte Bückers Kollegin Susanne Löscher.

53,8 Prozent der Hausärzte hatten angegeben, dass ihre Einstellung seit der Einführung unverändert ist, bei 13,3 Prozent hat sie sich verschlechtert, bei 32,9 Prozent verbessert. "Das hat uns überrascht", so Löscher. Gerade viele ältere Kollegen sähen die DMP jetzt positiver.

Skepsis gegenüber DMP-Teilnehmer und Nicht-Teilnehmer

Vorteile erkennen die Hausärzte vor allem beim Notfallmanagement und der Einbeziehung der Patienten in die Behandlung. 27,3 Prozent der Mediziner gaben an, dass sie seit der Einschreibung von Asthma-Patienten ins DMP weniger Notfälle haben, 36,6 Prozent halten ihre Patienten für selbstständiger im Umgang mit ihrer Asthmaerkrankung. 40,1 Prozent führen seit der Einschreibung aktivere Gespräche mit den Patienten.

Skeptisch stehen die Hausärzte - DMP-Teilnehmer und Nicht-Teilnehmer - der Dokumentation gegenüber. 66,5 Prozent sehen in ihr einen Ausdruck des Kontrollbedürfnisses der Krankenkassen. 50,5 Prozent befürchten, dass die im DMP erhobenen Daten genutzt werden, das ärztliche Handeln zu bestrafen.

Feedbackberichte: Nur 14 Prozent halten sie für hilfreich

Eher schlecht schnitten bei den Hausärzten die Feedbackberichte ab, wobei es nach Angaben der Wissenschaftlerinnen zwischen den KVen deutliche Unterschiede in der Frequenz, der Ausführlichkeit und der Aktualität der Berichte gibt. 46,9 Prozent der Hausärzte finden die Berichte verständlich geschrieben, doch nur 14,0 Prozent halten sie für hilfreich im Alltag.

In einer weiteren Studie haben Institutsmitarbeiter 8000 asthmakranke Versicherte der Barmer GEK befragt, je zur Hälfte DMP-Teilnehmer und Nicht-Teilnehmer.

DMP-Teilnehmer häufiger leitlinienkonform

Ein zentrales Ergebnis: Sie konnten keinen Einfluss des DMP auf Ergebnisparameter wie die Asthmakontrolle oder die Anwendung des Notfallsprays feststellen. "Bei den Prozessparametern verhielten sich die DMP-Teilnehmer aber häufiger leitlinienkonform", berichtete Bücker.

Nach der Erhebung gehen DMP-Patienten häufiger zum Haus- und Facharzt, nehmen häufiger an Schulungen teil und messen den Peak-Flow regelmäßiger.

Es sei nicht klar, ob diese Prozessverbesserungen eine Folge des DMP sind oder auf Selektionseffekte beim Einschluss der Patienten in das Programm zurückzuführen sind, sagte Bücker. "Vielleicht ist die Laufzeit des DMP noch zu kurz, um diese Fragen beantworten zu können."

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