Ärzte Zeitung online, 10.11.2011

Geld vom Staat für künstliche Befruchtung bleibt ungewiss

BERLIN (jvb). Ungewollt kinderlose Paare können vorerst nicht mit finanzieller Hilfe vom Staat rechnen. Nach wie vor "prüft" Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) mehrere Modelle, wie betroffene Paare besser unterstützt werden können.

Das geht aus der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der grünen Bundestagsfraktion hervor. Darin nehmen die Grünen auf mehrfache Ankündigungen Schröders Bezug, die Koalition wolle zu Verbesserungen kommen. Konkrete Vorschläge bleibt das Familienministerium in der Antwort allerdings schuldig.

Seit 2004 müssen Paare die Kosten einer künstlichen Befruchtung zur Hälfte tragen, die andere Hälfte übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen. Zudem gilt diese Regelung nur für die ersten drei Behandlungszyklen einer In-vitro-Fertilisation (IvF).

Viele Paare sind aber mit den Kosten überfordert. Ab dem vierten Versuch müssen Paare alleine zwischen 3200 bis 5000 Euro für jeden Behandlungszyklus zahlen.

Kommt der Wettbewerb um die IvF?

Statt konkreter Hilfe verweist Schröder auf das geplante Versorgungsstrukturgesetz. Es soll Krankenkassen gestatten, bei künstlichen Befruchtungen zusätzliche Satzungsleistungen anzubieten.

Ob Kassen angesichts streng reglementierter Zuweisungen des Gesundheitsfonds einen Leistungswettbewerb auf diesem Feld eröffnen, gilt als zweifelhaft.

"Die Ministerin spielt mit den Nöten ungewollt kinderloser Paare", kritisiert die familienpolitische Sprecherin der Grünen Katja Dörner. Sie fordert, Schröder solle zeitnah ein Modell mit solider Finanzierung vorlegen.

Mehr Kinder durch die Förderung

Einzelne Bundesländer haben inwzischen eigene Untersützungsprogramme für betroffene Paare aufgelegt. So zahlen Sachsen und Sachsen-Anhalt bei der zweiten und dritten Kinderwunschbehandlung bis zu 900 Euro, bei der vierten sogar bis zu 1800 Euro zu.

Vor zwei Jahren hatte das IGES-Institut im Auftrag des Arzneimittelherstellers Merck berechnet, dass - abhängig vom Szenario - pro Jahr 4300 bis 7900 Kinder mehr geboren werden könnten.

Vorausgesetzt, die Krankenkassen würden wieder die ersten vier Versuche komplett bezahlen, wie es bis 2004 der Fall war.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ernährungsfanatiker leiden oft an Essstörung

Nur noch Steinzeitdiät oder doch lieber frugan? Wer seine Ernährung übertrieben einengt, ist oft an einer Bulimie oder Anorexie erkrankt. Unser Autor Thomas Müller hat diese Erkenntnis vom DGPPN mitgebracht. mehr »

Aus für größte deutsche Krebsstudie

Die Prostatakrebsstudie PREFERE wird vorzeitig beendet. Der Grund für das Aus der bislang größten deutschen Krebsstudie ist die geringe Zahl der eingeschriebenen Patienten. mehr »

Beim Rauchen gibt es keine sichere Dosis

Langzeit-Raucher sterben früher – und zwar auch dann, wenn sich ihr Konsum auf nur wenige Zigaretten am Tag beschränkt. mehr »