Ärzte Zeitung, 14.11.2011

Kommentar

Uralt-Plan in Online-Version

Von Helmut Laschet

Saurer Wein wird auch im neuen Schlauch nicht genießbar. Aber diese alte Weisheit scheint bei den Verpackungskünstlern des GKV-Versorgungsstrukturgesetzes in Vergessenheit geraten zu sein.

Nach dem Motto "Viel hilft viel" kursiert jetzt ein Vorschlag aus der Unions-Fraktion, die nicht funktionierende Transparenz bei Arztabrechnungen mit Hilfe einer Online-Version zu beleben. Das Ergebnis lässt sich schon jetzt prognostizieren: Die Gesetzesblätter werden ohne Wirkung bleiben.

Erstens: Das Interesse von Patienten an den von ihnen verursachten ärztlichen Behandlungskosten ist in einem Sachleistungssystem mit einer pauschalen Selbstbeteiligung von zehn Euro im Quartal gleich Null.

Zweitens ist eine zutreffende patientenbezogene Rechnungslegung im gegenwärtigen System von Budgetierungen und Abstaffelungen nicht praktikabel. Die Alternative wäre nur die Kostenerstattung. Die Option existiert, ist aber mangels Vorteilhaftigkeit für GKV-Versicherte keine ernsthafte Alternative.

Auch eine Online-Version der "transparenten Arztrechnung" ändert nichts an all diesen objektiven Hemmnissen. Konsequent wäre es hingegen, wenn der Gesetzgeber die Kostenerstattung attraktiv machen würde.

Lesen Sie dazu auch:
Arztrechnungen sollen ins Internet

[15.11.2011, 08:39:11]
Marco Schade 
Kostenerstattung ist keine Alternative
Die Kostenerstattung attraktiver zu machen ist reine Utopie. Der bürokratische Aufwand für alle Beteiligten, die Vorkasse der Patienten und die höheren Rechnungsbeträge verhindern dauerhaft, dass die Kostenerstattung eine ernsthafte Alternative wird.

Hauptproblem für die Patienten. Die Krankenkassen erstatten in der Regel zwischen 20 bis 40 Prozent einer durchschnittlichen Privatrechnung. Die Kosten für die Kassen dürfen nicht höher liegen, als bei einer Abrechnung über die KV. Dazu kommen die zusätzlichen Verwaltungskosten die der Patient für jeden Erstattungsantrag vom Erstattungsbetrag abgezogen bekommt. Ohne Zusatzversicherung und der finanziellen Möglichkeit Rechnungen vorstrecken zu können ist macht für den Patienten die Kostenerstattung daher keinen Sinn.

Die jetzt diskutierte Online-Version der Arztrechnung für den Patienten wird voraussichtlich geringfügig besser von den Patienten angenommen, als die bisherige Möglichkeit in der die Patienten direkt beim Arzt oder der Krankenkasse nach einer Kostenaufstellung bzw. Patientenquittung fragen müssen. Sinn macht in Anbetracht des Zeitverzugs der Abrechnung, variablen Beträgen je Punktwert und der nachträglichen Korrekturen etc. allerdings nur die Aufstellung der abgerechneten Leistungen um diese ggf. zu prüfen. In welcher Höhe die Leistungen vergütet wurde ist für den Patienten in der Regel nicht interessant. Da der Patient die zugrundeliegenden Kosten für den Arzt nicht erkennen kann, würde eine Bezifferung in Euro einen falschen Eindruck beim Patienten erwecken. zum Beitrag »
[14.11.2011, 19:38:31]
Dr. Klaus Laros 
FDP Leichtmatrosen
Kurz zur Ergänzung von Herrn Lachet :
Die hier erstrebte Transparenz der Abrechnung kann nicht valide sein.
Zwischen der Abgabe der Abrechnung und dem Erhalt des tatsächlichen Betrages
vergehen wie erwähnt Monate. Inzwischen erfolgten Überprüfungen der
sachlichen Richtigkeit , Plausibilität, Wirtschaftlichkeit und schlussendlich
des Punktwertes (Quote).Der Patient bleibt nach wie vor im Unklaren zwischen
dem vom Arzt eingeforderten Rechnungsbetrag und dessen tatsächlicher
Abgeltung. zum Beitrag »

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