Ärzte Zeitung online, 29.12.2011

Kassen sehen keinen Klinik-Notstand

Die Kliniken blicken mit gemischen Gefühlen ins neue Jahr: Die Mehrheit erwartet mindestens Stagnation bei ihrer wirtschaftlichen Situation. Die Krankenkassen können die Einschätzung nicht nachvollziehen - und sprechen von einer rosigen Lage.

Von Matthias Wallenfels

Kassen sehen keinen Klinik-Notstand

Deutschlands Kliniken erwarten Tristesse - bei der wirtschaftlichen Entwicklung.

© panthesja / fotolia.com

BERLIN. Der GKV-Spitzenverband weist Forderungen der Deutschen Krankenhausgesellschaft zurück, erneut mehr Geld für die Kliniken aufzubringen.

Der Spitzenverband beruft sich dabei auf das aktuelle Krankenhausbarometer des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI).

"Wenn mehr als zwei Drittel der befragten Krankenhäuser Gewinne verzeichnen, kann man keineswegs von einem Branchennotstand sprechen", sagt Ann Marini, stellvertretende Pressesprecherin des GKV-Spitzenverbandes.

Der Kassenverband bezieht sich dabei allerdings auf die - zutreffenden - Aussagen der Kliniken für die Wirtschaftlichkeit im vergangenen Jahr.

Er lässt somit außen vor, dass die befragten Kliniken bei der Prognose für 2012 nur noch in 19 Prozent der Fälle eine Verbesserung erwarten. 41 Prozent der Einrichtungen rechnet hingegen im kommenden Jahr mit einer Verschlechterung.

Gewinne teilweise im hohen Bereich

"Insgesamt geht es den Krankenhäusern - trotz leerstehender Betten und überflüssiger Kapazitäten - damit wesentlich besser als anderen Branchen", findet Marini.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern liege im Verhältnis zum Umsatz bei vielen Krankenhäusern im hohen einstelligen Bereich, "bisweilen ist er sogar zweistellig".

Marini: "Allein in diesem Jahr erhalten die Krankenhäuser erstmals über 60 Milliarden Euro aus dem Portemonnaies der GKV-Beitragszahler und im kommenden Jahr werden es noch einmal rund 2,5 Milliarden Euro mehr sein, ohne dass die Patienten davon direkt profitieren."

Routinemäßiges Jammern ohne Bezug zur Realität?

"Angesichts dieser Zahlen hat das routinemäßige Jammern von Krankenhausvertretern keinen Bezug zur Realität. Von einem großen Sparbeitrag der Kliniken zu sprechen, wie es Krankenhausvertreter gerne tun, verbietet sich ebenfalls. Denn: Wer deutlich mehr erhält als im letzten Jahr, der spart nicht - im Gegenteil", so Marini.

Im Krankenhausbarometer des DKI wird die wirtschaftliche Lage der Kliniken anhand der Jahresergebnisse 2010/11 in der Tat so beschrieben, dass 68 Prozent der Kliniken einen Jahresüberschuss erzielten.

21 Prozent hingegen erlitten einen Verlust und die restlichen elf Prozent der Häuser hatten ein ausgeglichenes Ergebnis vorzuweisen.

Die wirtschaftliche Situation der Kliniken habe sich so auf "kritischem Niveau stabilisiert", wie es in dem Bericht heißt.

Deutliche Unterschiede in der Wirtschaftlichkeit ergeben sich jedoch, wenn die Kliniken nach Bettenzahl getrennt betrachtet werden.

So erzielten mit 74,9 Prozent fast drei von vier Krankenhäuser mit 300 bis 599 Betten einen Jahresüberschuss, die großen Häuser ab 600 Betten sind hier mit 60,5 Prozent deutlich abgeschlagen.

Kleinere Häuser mit 50 bis 299 Betten liegen mit 68 Prozent exakt auf dem Durchschnittsniveau.

Vor allem mittelgroße Kliniken sind profitabel

Beim Jahresfehlbetrag liegen die kleinen Häuser dagegen mit 23 Prozent ebenso über dem Gesamtdurchschnitt von 21 Prozent wie die großen Häuser mit 23,8 Prozent. Lediglich die mittelgroßen Einrichtungen liegen mit 12,6 Prozent unter dem Durchschnitt.

Was das ausgeglichene Jahresergebnis anbelangt, so liegen die mittleren und großen Häuser mit 12,5 Prozent respektive 15,7 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt von elf Prozent.

Nur die kleinen Häuser schaffen es hier mit neun Prozent beim ausgeglichenen Ergebnis unter den Durchschnitt.

Werden die Jahresergebnisse auf der Basis des Vorjahres (2009) betrachtet, so ergibt sich für die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser, dass es laut Krankenhausbarometer bei 46,1 Prozent der Einrichtungen gestiegen, bei 26,2 Prozent gesunken und bei 27,7 Prozent weitgehend gleich geblieben ist.

Wiederum nach Bettenzahl aufgesplittet, ist das Jahresergebnis im Vorjahresvergleich sowohl bei den großen Häusern mit 50 Prozent als auch bei den mittelgroßen Einrichtungen mit 49,6 Prozentüberdurchschnittlich gestiegen.

Unterdurchschnittlich verlief die Entwicklung lediglich bei den kleinen Häusern mit 44 Prozent.

Mit 23,8 Prozent am seltensten im Jahresvergleich gesunken ist das Ergebnis bei den mittelgroßen Kliniken, gefolgt von den kleinen Häusern mit 26,1 Prozent und den Großkliniken mit 32,6 Prozent.

Die größte Konstanz beim Jahresergebnis verzeichnen die kleinen Häuser, bei denen das Jahresergebnis im Vorjahresvergleich in 29,9 Prozent der Fälle gleich geblieben ist.

Bei den mittelgroßen Krankenhäusern beläuft sich dieser Wert auf 26,6 Prozent, bei den großen Einrichtungen hingegen nur 17,4 Prozent.

Im Frühjahr war die Stimmung noch eher positiv

Laut Krankenhausbarometer schätzten 41 Prozent der Krankenhäuser ihre wirtschaftliche Situation im Frühjahr des laufenden Jahres, dem Erhebungszeitraum, als eher gut ein, 18 Prozent hingegen eher als unbefriedigend.

41 Prozent konnten sich nicht auf eine Aussage in die positive oder negative Richtung festlegen, sie waren unentschieden.

Nach Bettengröße differenziert, lässt sich der Trend erkennen, dass die kleinen und mittleren Einrichtungen die Lage besser einschätzten als die großen.

So antworteten jeweils 43,3 Prozent der kleinen und mittlelgroßen Kliniken mit "eher gut", bei den großen Häusern waren es 23,4 Prozent.

Bei den Unentschiedenen ("teils, teils") dominieren die Großkliniken mit 47,6 Prozent, gefolgt von den mittelgroßen mit 40,3 Prozent und den kleinen mit 39,8 Prozent.

Wird die zum Erhebungszeitpunkt gegenwärtige wirtschaftliche Situation des eigenen Hauses als "eher unbefriedigend" eingeschätzt, so zeigt sich wieder die Dichotomie von Großkliniken mit 29 Prozent einerseits und kleinen (16,9 Prozent) sowie mittleren (16,4 Prozent) Häusern andererseits.

Wie bereits erwähnt, sehen die meisten Einrichtungen für 2012 eher schwarz denn rosig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Künstliche Herzklappe raubt oft den Schlaf

Fast ein Viertel aller Patienten mit einer mechanischen Herzklappe klagt über Schlafstörungen. Die Ursache hat eine einfache Erklärung. mehr »

Das sind die Wünsche an die neue Weiterbildung

Am Freitag steht die Musterweiterbildungsordnung auf der Agenda des Deutschen Ärztetags. Wir haben dazu drei junge Ärzte und den BÄK-Beauftragen Bartmann befragt. mehr »

"Sportlich, unrealistisch, überkommen"

Am Donnerstagnachmittag debattiert der Deutsche Ärztetag über die GOÄ-Novellierung. Unsere Video-Reporter haben sich vorab dazu umgehört. mehr »