Ärzte Zeitung online, 12.03.2012

Zoff um Kassenmilliarden - FDP bleibt hart

Zehn Euro pro Quartal drohen die Koalition zu spalten: Horst Seehofer (CSU) will nicht an die Milliardenüberschüsse der Kassen ran. Patrick Döring (FDP) schon, dafür soll die Praxisgebühr weichen. Dennoch hofft er auf eine gemeinsame Lösung.

Zoff um Kassenmilliarden - FDP bleibt hart

Zehn Euro müssen Patienten pro Quartal für den Arzbesuch zahlen - die Regelung könnte bald passe sein.

© pix4U / fotolia.com

MÜNCHEN (dpa). CSU-Chef Horst Seehofer lehnt eine Abschaffung der Praxisgebühr oder eine Senkung der Krankenkassenbeiträge trotz des Milliardenüberschusses bei den gesetzlichen Kassen strikt ab.

Vor einer Sitzung des CSU-Vorstands am 23. März in München rief er dazu auf, die Debatte darüber unverzüglich einzustellen.

Die finanzielle Lage der Kassen könne sich in einiger Zeit schon wieder ganz anders darstellen.

Der frühere Bundesgesundheitsminister nannte es deshalb "bizarr", jetzt über eine Ausschüttung des Überschusses zu diskutieren.

FDP will Praxisgebühr abschaffen

Hingegen bleibt die FDP bei ihrer Forderung, die Praxisgebühr abzuschaffen. Die Versicherten und Patienten müssten einen "relevanten Betrag" der Milliardenüberschüsse der gesetzlichen Krankenkassen zurückbekommen.

Dieses Ziel könne man am unkompliziertesten durch den Verzicht auf die Praxisgebühr von zehn Euro pro Quartal erreichen, sagte der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring in Berlin. Er sei zuversichtlich, "dass wir zu einer gemeinsamen Lösung kommen".

Medi Deutschland begrüßte die Pläne der FDP. Dies wäre ein „erster Schritt in Richtung Bürokratieabbau“, sagte Medi-Chef Dr. Werner Baumgärtner.

Auch die FALK-Gruppe, in der die KVen in Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern vertreten sind, plädierte dafür, den Zehn-Euro-Obolus abzuschaffen.

Praxisgebühr belastet Arzt-Patienten-Verhältnis

Ebenso kommt Unterstützung von den Linken. Parteichefin Gesine Lötzsch sagte, die Praxisgebühr sei ein bürokratisches Monster, das auch das Verhältnis zwischen Arzt und Patienten belaste.

Menschen, die dringend zum Arzt müssten und arm seien, verschleppten den Arztbesuch, womit die medizinischen Behandlungen letztlich teurer würden. Und jene, denen die Praxisgebühr finanziell egal sei, gingen genauso oft zum Arzt wie früher.

[12.03.2012, 17:48:03]
Peter Prominski 
Haschen nach Wählerstimmen auf unterstem Niveau...
Hier agieren mal wieder ahnungslose Politiker, auf der Suche nach Wählerstimmen. Schade, dass ihnen nicht klar ist, warum die Praxisgebühr ursprünglich eingeführt wurde. Wir Deutschen gehen eben immer noch viel zu oft zum Arzt!!! Aus dem Grunde gehört die Praxisgebühr nicht abgeschaft, sondern reformiert. Wir benötigen einfach ein wirksames Steuerungsintrument, sonst kann dieses Luxus-Gesundheistwesen auf Dauer nicht mehr existieren... zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Gröhes Sonnenschein-Politik

Bei der Eröffnung des Ärztetags weiß sich der Gesundheitsminister bei Partnern. Kritik hat Gröhe nur für den Koalitionspartner übrig und freut sich auf ein Wiedersehen beim Ärztetag 2018. mehr »

Berichte, Videos und Tweets rund um den Deutschen Ärztetag

Begleiten Sie den 120. Deutschen Ärztetag in Freiburg mit uns online. Die "Ärzte Zeitung" berichtet vom 23.-26.5. live und aktuell über alle wichtigen Ereignisse und Debatten. mehr »

"Turbolader einer Zwei-Klassen-Medizin"

Die Einheitsversicherung als Garant für Gerechtigkeit im Versorgungssystem? Aus Sicht von BÄK-Präsident Professor Frank Ulrich Montgomery eine fatale Fehleinschätzung. Die "Ärzte Zeitung" dokumentiert Auszüge aus seiner Ärztetags-Eröffnungsrede. mehr »