Ärzte Zeitung, 11.04.2012

Kommentar

Nach dem IGeL nun das Gebiss?

Von Helmut Laschet

Der GKV-Spitzenverband pflegt neue Hobbies: Seit einiger Zeit schon verwendet er gehörige Energie darauf, Individuelle Gesundheitsleistungen als medizinisch unsinnig darzustellen. Jetzt hat der Kassenverband den Zahnersatz entdeckt.

Was den GKV-Spitzenverband schmerzt, das ist der Verlust der Kompetenz für eine allumfassende medizinische Versorgung.

Er mag nicht anerkennen, dass es jenseits der Medizin, die aus guten Gründen solidarisch durch Zwangsbeiträge versichert wird, individuelle medizinische Bedürfnisse gibt, die Menschen nach ihren jeweiligen Präferenzen und in eigener wirtschaftlicher Verantwortung erfüllt haben möchten.

Wie war das noch mit dem Kassengebiss? Wer damit nicht zufrieden sein wollte, bekam nach der GKV-Logik früher gar nichts. Friss oder stirb, das ist die Maxime von Monopolisten.

Die rot-grünen Gesundheitsreformer haben 2003 zu Recht erkannt, dass nicht nur Privat-, sondern auch Kassenpatienten in der Versorgung mit Zahnersatz Wahlmöglichkeiten haben sollen.

Wobei die erweiterten Optionen neben der notwendigen Funktionalität auch Aspekte wie Komfort und Ästhetik betreffen. Wofür die Solidargemeinschaft zu Recht nicht einstehen muss.

Lesen Sie dazu auch den Bericht:
Kassen wollen bei Zahnärzten nachbohren

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