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Ärzte Zeitung, 12.06.2012

Länder wollen PKV durchleuchten

Die meisten PKV-Tarife sind schlechter als die gesetzlichen Kassen - diese "gravierende Vorwürfe" eines Ökonomen haben die Politik aufgeschreckt. Die Länder fordern Konsequenzen und wollen der PKV intensiv auf den Zahn fühlen.

GMK fordert Konsequenzen aus PKV-Studie

CDU-Minister Storm: Fundierte Diagnose stellen.

© Becker&Bredel / dpa

BERLIN (sun). Angesichts anhaltender Kritik am PKV-System hat der Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz (GMK), Andreas Storm (CDU), Konsequenzen gefordert.

"Die Vorwürfe sind gravierend. Jetzt muss geprüft werden, ob sie auch stichhaltig sind", sagte der saarländische Gesundheitsminister der "Ärzte Zeitung".

Daher solle der Sachverständigenrat ein Sondergutachten anfertigen, durch das es mehr Klarheit für die Versicherten geben könnte, forderte Storm.

Storm bezieht sich auf eine aktuelle Studie des Kieler Gesundheitsökonomen Thomas Drabinski und der Frankfurter Beratungsfirma PremiumCircle.

Handlungsbedarf ermitteln

Darin heißt es, dass mehr als 80 Prozent der Tarifsysteme der PKV weniger leisten als die gesetzliche Krankenversicherung.

Viele Versicherungen würden nur eingeschränkt Anschlussheilbehandlungen, Psychotherapien oder wichtige medizinische Hilfsmittel übernehmen. Zudem seien viele Tarife für die Versicherten zu intransparent.

Einige Gesundheitsexperten hatten jedoch angesichts der Methodik der Studie Bedenken geäußert. Daher fordert Storm eine "fundierte Diagnose" des Gesundheitssystems.

Wenn diese vorliege, "müssen wir über den möglichen Handlungsbedarf reden". Im Wesentlichen müssten aus seiner Sicht drei Bereiche untersucht werden: Die Transparenz der Tarife, die Qualitätssicherung in der PKV und die Kostenentwicklung der Prämien.

[13.06.2012, 16:35:38]
Dr. Florian Baier 
einfach selbst vergleichen
wer sich mit 45 J. selbständig macht, brauch nur die PKV-tarife im Internet studieren. Er wird dann selbst feststellen daß alles was billig ist, fast nur aus Ausschlüssen und Selbstbeteiligungen besteht. Wenn man sich den kompletten GKV-katalog zusammenstellt liegt der beitrag dann nahe dem GKV-Höchstbeitrag. Ist leider so - völlig unideologisch gesehen.
Ein paar Clicks würden reichen anstatt großer Studien, aber das wäre für o.g. Politiker wahrscheinlich viel zu banal.  zum Beitrag »
[12.06.2012, 18:00:15]
Dr. Margit Hasler-Hepp 
PKV versus GKV
Selbstverständlich sind die Vorwürfe gravierend, leider aber sehr einseitig. Die Vielfalt der PKV-Tarife, die angeboten werden, ist für den Laien verwirrend und nicht durchschaubar. Dafür sind die Berater gefragt. Deren Beratungsqualität ist leicht zu steigern, wenn nicht das Abjagen von Versicherten anderer Kassen bezahlt wird, sondern die Primäracquise in von vorne herein sauber kalkulierte Tarife. Der Hauptvorwurf bei der GKV ist die Willkür und Intransparenz, mit der dem Patienten =Bittsteller nach Gutsherrenart und unter dem Schutzschild einer nicht mehr zu durchschauenden, kostenfressenden Bürokratie eine Flatrate-Leistung gewährt wird, beim Hausarzt von ca 13Euro, und dem Pat. dann noch weißgemacht wird, dass damit alles, aber auch alles bezahlt sei.
Dass das System der Arzt-Flatrate gerade am Kippen ist, sieht jeder Chroniker, der derzeit auf dem flachen Land eine Versorgung sucht, der in den Krankenhäusern in Fächern der sprechenden Medizin mit einem nicht deutschen Kollegen kommunizieren soll, der bei jeder Nachverordnung Medikamente einer anderen Firma bekommt, dem die Kasse die Langzeitverordnung von Heilmitteln verwehrt,dem hilfsweise die Hausbesuchsversorgung einer Schwester Agnes oder einer Verah angedient wird, dessen Altersheim nur in Ausnahmefällen noch einen Arzt zu sehen bekommt. All diese Punkte sind eine Kontraindikation für die GKV. Was hier verglichen wird ist das Versprechen von Leistungen der GKV, die in der Realität nicht gewährt werden und nur auf dem Papier stehen gegenüber Lücken in den PKV-Tarifen, die vorher bekannt wären, wenn man vor Abschluß einen unabhängigen Berater darauf schauen liesse. Ich habe noch nicht erlebt, dass notwendige Hausbesuche bei der PKV in einer Flatrate verschwinden, die Gespräche bei Tumorpatienten nicht honoriert wurden, weil irgendein Budget überschritten wurde und zwangsweise andere und billigere Medikamente zu verordnen wären, an denen die Kasse verdient. Wer über die GKV urteilt, sollte nicht vergessen, dass es hier Anträge auf Erteilung eines Antragsformulars gibt, die so konzipiert sind, dass 75% der Versicherten schon in der 1. Antragsrunde aufgeben. Und es sollte jeder Versicherte mal austesten, was es heißt,wenn die Kasse sagt: Wir bezahlen alles, Ihr Arzt muss es Ihnen nur auf Kassenrezept verordnen.
Wenn erst alle Mutter-Theresa Kollegen ausgestorben sind oder in den Regressen bankrott gingen, ist das GKV System als heuchlerisch und menschenverachtend entlarvt, das die Pat. zwar verwalten, aber ohne Ärzte nicht behandeln kann. Das Ziel des Vergleichs ist zu bewerten, wieviel Leistung tatsächlich in beiden Systemen beim Patienten ankommt und wieviel in einem Moloch von Bürokratie untergeht. Da hilft es auch nicht, auf die Ärzte einzudreschen, denn die kosten sehr viel weniger Geld als die Bürokratie der GKV (15% Honoraranteil vs 22-27% Verwaltungsanteil).  zum Beitrag »

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