Ärzte Zeitung, 28.06.2012

Von wegen nur Reiche in der PKV

Die privaten Krankenversicherer wehren sich gegen ihr Image, ein Hort der Schönen und Reichen zu sein. Recht gibt ihnen eine aktuelle Analyse. Doch die Ergebnisse liefern auch den PKV-Gegnern neue Munition.

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KÖLN (iss). Was die privaten Krankenversicherer (PKV) schon lange betonen, können sie jetzt auch mit Zahlen belegen: Die PKV ist kein System für Reiche und Gutverdiener.

Nach einer aktuellen Untersuchung des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) verfügen nur rund 20 Prozent der Privatversicherten über ein Einkommen, das oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt. "Dieses Ergebnis hat uns überrascht", sagt Institutsleiter Dr. Frank Niehaus.

Basis der Untersuchung ist die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des Statistischen Bundesamtes aus dem Jahr 2008. Sie umfasst 123.223 Personen aus 54.008 Haushalten. Das WIP hat die Angaben der Privatversicherten ausgewertet. Das waren 8956 oder 11,3 Prozent der Stichprobe.

Von ihnen waren 24,7 Prozent Beamte und 17,5 Prozent Pensionäre. Die drittstärkste Gruppe waren mit 15,7 Prozent die Selbstständigen. Zu ihnen zählten auch Ärzte und andere Freiberufler, die Untergruppen wurden aber nicht separat erhoben.

Arbeitnehmer machten nur 11,6 Prozent der PKV-Klientel aus. Knapp ein Drittel waren Rentner, Kinder, Studenten und sonstige Nichterwerbstätige.

Versicherungspflichtgrenze 2008: 4012,50 Euro im Monat

Mit 49,2 Prozent bestritten fast die Hälfte der PKV-Versicherten ihren Lebensunterhalt überwiegend aus der Erwerbstätigkeit. Bei 26,2 Prozent waren Unterhaltszahlungen, Vermögen oder Miet- und Pachteinnahmen die Haupteinnahmequelle.

Nach Angaben des WIP waren das vor allem privatversicherte Kinder. Von ihrer Pension lebten 18,2 Prozent der PKV-Kunden, von der Rente 4,1 Prozent.

Nimmt man alle Privatversicherten des Jahres 2008 zusammen, verfügten 19,6 Prozent über ein Einkommen, das oberhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt.

Sie entscheidet bei Angestellten darüber, ob sie von der gesetzlichen in die private Krankenversicherung wechseln können.

Der Wert lag 2008 bei 4012,50 Euro pro Monat. Rechnet man alle unter 18-Jährigen heraus, erhöht sich der Anteil auf 22,3 Prozent.

Munition für PKV-Kritiker

Das Ergebnis passt nicht zu der weit verbreiteten Annahme, in der PKV versammelten sich vor allem Gutverdiener. Das ist für die Branche ein gutes Argument, um wie die GKV mehr Vertragskompetenzen zu bekommen.

Die größere Verhandlungsfreiheit wollen die Unternehmen nutzen, um die Kosten in den Griff zu bekommen und Beitragssteigerungen zu vermeiden.

Gleichzeitig liefert die Untersuchung aber auch den PKV-Kritikern Munition. Angesichts des offensichtlich begrenzten Einkommens vieler Kunden gewinnt die Debatte über stark steigende Beiträge an Schärfe.

Zudem belegen die Zahlen, dass die Anbieter auch einer Reihe von Menschen Policen verkauft haben, die eigentlich nicht in die PKV gehören.

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