Ärzte Zeitung online, 29.07.2012

Praxisgebühr

FDP lässt nicht locker

Das Ringen geht weiter: Die FDP beharrt auf der Abschaffung der Praxisgebühr. Trotz des Widerstands der Union will Minister Bahr das Thema in den Koalitionsausschuss bringen.

BERLIN (dpa/eb). Die FDP will die Abschaffung der Praxisgebühr zum Thema des nächsten Spitzentreffens der Regierungskoalition machen.

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) sagte der Zeitung "Bild am Sonntag": "Die FDP wird das im nächsten Koalitionsausschuss vorschlagen."

Die Union lehnt den seit langem vorgetragenen FDP-Wunsch bislang aber ab. SPD, Grüne und Linke sind ebenfalls für die Abschaffung. Auch unter den Ländern herrscht bei dem Thema Uneinigkeit.

Bahr sagte, die gesetzlichen Krankenkassen stünden finanziell gut da. Die Gebühr habe ihren Zweck - eine stärkere Steuerung der Patientenströme - auch nicht erfüllt.

"Eine Abschaffung entlastet spürbar Patienten und Arztpraxen und ist sinnvoller als eine kleine Beitragssenkung, die man kaum spürt", sagte Bahr weiter.

Topics
Schlagworte
Krankenkassen (16119)
Personen
Daniel Bahr (1060)
[29.07.2012, 23:40:19]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Dass ich das noch erleben darf!
Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zu loben, kam mir leider bisher nicht recht in den Sinn. Bei seinem Vorgänger, dem jetzigen Bundeswirtschaftsminister und Kollegen ohne Fortune, Dr. med. Philipp Rösler, war meine Kritik manchmal ätzend bis vernichtend. Insbesondere weil dieser bis zuletzt nicht von einer verfassungswidrigen
"Kopfpauschale" mit Umverteilung von Unten nach Oben ablassen wollte, während die Regierungskoalition längst davon abgerückt war.

Die Praxisgebühr (PG) ist bei einem GKV-Gesamtüberschuss von mehr als 20 Milliarden Euro allein in 2011 überflüssig wie ein Kropf. Sie sollte ersatzlos abgeschafft werden, weil sie weder quantitativ noch qualitativ irgendeine Steuerungsfunktion ausübt. Und die Interventionsschwelle bei Schwerkranken in prekären Lebensverhältnissen zusätzlich erhöht. In den Hausarztpraxen würde für unbürokratische Entlastung gesorgt. Jede einzelne ärztliche Verordnung kostet 5-10 €, das ist für manche unserer Patienten/-innen knapp ü b e r der Befreiungsgrenze hart genug. Unseren medizinischen Fachangestellten (MFA) würde so manche Rückfrage, Suche nach PG-Quittungen, Abstempeln, Geldwechsel, Fakturierung, Bankeinzahlung, Hektik zu Quartalsanfang und -ende bzw. lästige Diskussionen um abgelaufene Behandlungs- und Befreiungsausweise erspart bleiben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

 zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »