Ärzte Zeitung, 31.10.2012

Eurokrise

Keine Ärzteflucht nach Deutschland

In den Krisenländern Südeuropas sind die Gesundheitssysteme marode - Ärzte gehen auf die Barrikaden, Patienten drohen Einschnitte bei den Leistungen. Konsequenzen für Deutschland hat das aber kaum.

Von Angela Mißlbeck

Krise treibt weder Ärzte noch Patienten nach Deutschland

Protest in Athen: Neue Ärzte für Deutschland?

© Xinhua / imago

BERLIN. Einige Kassen in Deutschland beobachten mit Sorge, wie sich die Gesundheitsversorgung in den Krisenländern Südeuropas entwickelt.

Die Verbindungsstelle des GKV-Spitzenverbands stellt derzeit aber noch keinen verstärkten Trend fest, dass Menschen extra zur Behandlung nach Deutschland kommen, weil in ihrer Heimat die Versorgung eingeschränkt ist.

Der Sprecher der Verbindungsstelle, Bernd Christl, verweist darauf, dass die Krisenländer keine direkten Nachbarn sind. Wer aus diesen Ländern zur Arbeitssuche in Deutschland ist, verfügt nach seinen Angaben in der Regel über eine gültige europäische Krankenversicherungskarte.

Wird die beim deutschen Arzt vorgelegt, muss der Krankenversicherungsträger des Heimatlandes für die Behandlung aufkommen.

Der Versicherte entscheidet, welche deutsche Krankenkasse dafür dem Arzt gegenüber in Vorleistung gehen soll. Sie muss sich anschließend das Geld aus dem Heimatland des Patienten zurückholen.

Das Verfahren ist mitunter langwierig. Aber: "Bisher sind alle Rechnungen bezahlt worden", sagt Christl. Dennoch müsse die Entwicklung weiter beobachtet werden.

Akute Sorgen der Kassen, dass sie die verauslagten Kosten von den maroden Gesundheitssystemen der Krisenstaaten nicht zurückerhalten, betrachtet er nicht als unbegründet.

Deutschland bei den Arbeitsbedingungen nicht Spitze

Sie würden aber vorerst durch einen Faktor relativiert: "Nach den Bilanzen sind die Forderungen dieser Staaten an Deutschland höher als umgekehrt", sagt Christl. Er verweist beispielhaft auf die große Zahl deutscher Langzeiturlauber in Spanien.

Ob das deutsche Gesundheitswesen von der Krise in den südeuropäischen Ländern indirekt auch profitieren kann, bleibt abzuwarten. Die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit wirbt in den Krisenländern um Arbeitskräfte, in Griechenland und Portugal speziell um Ärzte und Pflegekräfte.

Ob die Meldungen der portugiesischen Kammern zutreffen, dass Ärzte und Pflegekräfte in großem Maß ihre Heimat verlassen, kann die ZAV nicht bestätigen.

Sprecherin Beate Raabe verweist darauf, dass das deutsche Gesundheitswesen sich im Wettbewerb um ausländische Fachkräfte mit anderen Staaten messen muss. Dabei müsse man sehen, dass Deutschland bei den Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen nicht Spitze in Europa sei, so Raabe.

Das spiegelt sich auch in der Ärztestatistik der Bundesärztekammer (BÄK) wider. Aus Portugal meldet die BÄK für 2011 nicht einen Neuzugang. Die Zahl der in Deutschland berufstätigen Ärzte aus Spanien ist um 4,2 Prozent unterdurchschnittlich gestiegen, auch der Zuwachs der griechischen Ärzte bewegt sich mit 11,4 Prozent noch unter dem Mittel.

Griechenland belegt damit hinter Rumänien und Ungarn Platz drei bei den Zuwachsraten. Ebenfalls auf Platz drei liegt Griechenland mit Blick auf die Herkunftsstaaten der in Deutschland tätigen Ärzte.

Insgesamt kommen jedes Jahr mehr Ärzte aus dem Ausland nach Deutschland. 2010 wuchs ihre Zahl um 9,1 Prozent, 2011 um 13,6 Prozent.

Wer übernimmt die Behandlungskosten?

Wie Ärzte verfahren müssen, wenn Patienten aus dem europäischen Ausland zu ihnen kommen, erklärt die Kassenärztliche Bundesvereinigung in einem Video auf www.kv-on.de. Bedingung für die Abrechnung mit der Europäischen Krankenversicherungskarte ist, dass der Behandlungsanlass erst beim Aufenthalt in Deutschland eingetreten ist. Kommen Patienten extra zur Behandlung nach Deutschland, müssen sie eine Kostenübernahmeerklärung ihrer Heimatversicherung vorlegen. Leistungen für Patienten ohne gültige europäische Krankenversicherungskarte werden privat liquidiert.

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