Ärzte Zeitung, 06.11.2012

Kommentar zum Aus der Praxisgebühr

Politik nach Kassenlage

Von Helmut Laschet

Mit einem Kuhhandel hat die Koalition in der Nacht von Sonntag auf Montag das Ende der Praxisgebühr besiegelt. Vor allem Hausärzte, die die zehn Euro pro Quartal von ihren Patienten kassieren mussten, können nun aufatmen. Ab Januar kann die Registrierkasse eingemottet werden.

Dass die Zuzahlung in den letzten Monaten vor allem von den sonst auf Marktwirtschaft und Selbstverantwortung pochenden Liberalen bekämpft worden ist, gehört zu den Ungereimtheiten der Gesundheitspolitik dieser Legislaturperiode.

Denn die Praxisgebühr war keineswegs ohne Steuerungswirkung: Zumindest in den ersten Jahren wurden Hausärzte häufiger vor dem Facharzt konsultiert, die Koordination konnte wohl verbessert werden.

Wie bei vielen gesundheitspolitischen Interventionen wurde jedoch auf eine dauerhafte Evaluation ihrer Auswirkungen verzichtet. So kann nun jeder nach eigenem Belieben behaupten, was er will. Vor allem hat niemand an sinnvollen Weiterentwicklungen der Zuzahlung gearbeitet.

Fazit: Die Praxisgebühr wurde eingeführt aus einer Kassen-Notlage, wieder abgeschafft bei einem Kassenüberschuss.

Also: Opportunistische Politik nach Kassenlage, gestern, heute - auch in Zukunft?

Lesen Sie dazu auch:
Praxisgebühr: Ärzte bejubeln das Aus

[06.11.2012, 08:55:02]
Dr. Karlheinz Bayer 
Kassenlage? Kassenlage!
Nein, Herr Laschet!

Sie haben das nicht verstanden.
Sie sind den vielen Demagogen damals (vor 8 Jahren bei der Einführung) ebenso auf den Leim gegangen wie heute.

Natürlich geht es um die Kassenlage!

Aber lesen Sie doch bitte das Wort "Kasse" richtig!
es guing und es geht wieder in erster Linie nicht um die medizinische Versorgung sondern um daß, was die Gesetzlichen Krankenkassen im Lauf der Zeit daraus gemacht haben.

Man hat den "Spar"-Hebel angesetzt bei den Primärärzten.
Haben Sie nicht zwischen den Zeilen geschrieben, daß die Kostenspirale bei den Fachärzten auftritt?
Ist es nicht so, daß man den Zugang zu den Fachärzten schmälern wollte und hat dazu erst einmal den Hausärzte Fesseln angelegt?

Lieber Herr Laschet, ab dem 1.1.2013 werden wieder vermehrt und aufatmend Patienten aus der Kaste der geringverdiener in die Praxen kommen und ohne den Obulus an das Dogma des Alles-ist-bezahlbar sich behandeln lassen können. Genau ab dann wird wieder die Masche der Honorarverteilung einsetzen. Und dann sollte man darauf achten, daß nicht wieder geasgt wird, den Hausärzten, Landärzten, Basisärzten muß man die Patienten vergraulen. Es gilt, zu überlegen, was das Solidaritätsprinzip wirklich bedeutet, und was Status-, Luxus- oder Wunschmedizin ist und auch als solche bezahlt werden sollte.

Darum geht es bei der "Kassenlage"

Ihr
sehr zugewandter
Karlheinz Bayer, Bad Peterstal


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