Ärzte Zeitung, 10.12.2012

Leitartikel zu Op-Zahlen

Die Verantwortung der Niedergelassenen

Ein Plädoyer für mehr Qualitätstransparenz bei Krankenhausleistungen und besser begründete Einweisungsentscheidungen der Vertragsärzte. Politisch unrealistische Forderungen nach selektivem Kontrahieren würden sich dann erübrigen.

Von Helmut Laschet

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Mehr Menge, aber nicht unbedingt mehr Nutzen für die Patienten. Das ist die These des AOK-Krankenhaus-Reports, der am Freitag vorgestellt wurde.

Am selben Tag stellte die Techniker-Krankenkasse apodiktisch fest, dass 87 Prozent aller Rücken-Operationen überflüssig seien und durch schonendere Alternativen ersetzt werden könnten.

Dem Verdacht, die Kliniken in Deutschland produzierten unnötig viele Eingriffe, widerspricht die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) vehement. Richtig ist, dass die Ausgaben für stationäre Leistungen in den vergangenen zehn Jahren eher moderat gestiegen sind und der Anteil Ausgaben für Kliniken an den GKV-Gesamtausgaben bei einem Drittel nahezu konstant geblieben ist.

Die Fallzahl je Einwohner steigt pro Jahr mit knapp zwei Prozent moderat und kann - laut DKG - mit einer Kombination aus Alterung der Bevölkerung und medizinischem Fortschritt erklärt werden ...

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Helmut Laschet (1231)
[10.12.2012, 18:55:06]
Dr. Karlheinz Bayer 
zwei Drittel Einweisungen durch Vertragsärzte - nein 1/3 OHNE Vertragsarztbeteiligung!

Sehr geehrter Herr Laschet,

seit Jahren predigt man uns die Rolle des "Gate-Keepers", die der Allgemeinarzt übernehmen soll.
Gatekeeper sind Türöffner oder Rausschmeißer, in jedem Fall aber haben sie den Patienten zuerst gesehen und prästationär getan, was möglicherweise möglich ist.

Eigentlich sollte die Einweisung über den Vertragsarzt die Regel sein.
Was an der Graphik wesentlich mehr bedenklich ist, sind die 34,2 % Einweisungen am Vertragsarzt vorbei.

a) Verlegungen von Haus zu Haus sind eine Folge der Gesundheitsreformen und der immer höheren Spezialisierung einzelner Häuser. Hat man so gewollt.

b) Aufnahmen ohne Einweisung? Auch dieses Problem kennen wir, daß Patienten den Weg direkt in die Ambulanz der Krankenhäuser nehmen, und die Krankenhäuser sind genötigt, sie aufzunehmen, sonst wurde die Ambulanz nicht kostendeckend arbeiten.

c) ein ganz heikles Thema sind die Einweisungen über die Rettungsdienste, sprich über gerufene Notärzte. Die allerorts um sich greifenden Notfalldienstregelungen werden einnübriges tun, weil es mehr und mehr Patienten gibt, die statt in die Notfallpraxis zu gehen lieber den Notarzt anrufen. Und mal ehrlich, wieviele Notärzte nehmen, wenn sie schon mal da sind, den Patienten nicht gleich mit ins Krankenhaus?

d) dito. Im Wochenenddienst und in Vertretung eines Kollegen geht man eben lieber sicher und verlegt ins Krankenhaus.

Alles das sind Fälle, die an den Vertragsärzten irgendwie vorbeigehen. Und sie nehmen zu. Siehe die Notfalldienstordnungen. Siehe das dumme Geschwätz von dem Ärztemangel auf dem Land (der in 20 Jahren da sein soll, heute haben wir noch einen leichten Überschuß an Ärzten). Siehe die deutlich schlechtere Honorierung ambulanter Leistungen - man zwingt die Leute geradezu in die viel teureren Krankenhäuser.

Verantwprtlich handeln wohl tatsächlich mehrheitlich die Vertragsärzte.
Und kriegen trotzdem eins auf den Deckel von den GKV.

Ihr
Dr.Karlheinz Bayer, Bad Peterstal
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