Mittwoch, 1. Oktober 2014
Ärzte Zeitung, 25.01.2013

Studie

Kassen hinken bei IT hinterher

Das deutsche Gesundheitssystem hinkt informationstechnisch anderen Branchen hinterher. Hier liegen erhebliche Effizienzreserven.

FRANKFURT/MAIN. Medizinisch-technisch sei die Gesundheitsversorgung in Deutschland gut aufgestellt, in der Organisation und in der administrativ-medizinischen Ausstattung seien jedoch Optimierungen nötig, um immanente Schwächen wie die Trennung von ambulantem und stationärem Sektor zu überwinden und die Produktivität zu erhöhen, urteilt das Beratungsunternehmen Lünendonk in seinem Branchendossier "Healthcare 2020".

Steigende Ausgaben, sinkende Einnahmen sowie ineffiziente Strukturen ließen das System mittelfristig havarieren.

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung schätze die Finanzlücke auf über 90 Milliarden Euro bis 2030. Dies bedeute, dass der GKV-Beitrag von derzeit 15,5 auf 23,8 Prozent oder der Zusatzbeitrag auf 115 Euro steigen müsse.

Das werde die Bevölkerung nicht zahlen können oder wollen. Die politische Reformfähigkeit des Systems sei begrenzt, dirigistische Eingriffe in Angebot und Nachfrage zeigten zwar Wirkung, reichten aber nicht aus.

Bessere Leistungssteuerung und eine Erhöhung der Effizienz seien daher zusätzlich erforderlich.

Informations- und Kommunikationstechnik wäre ein wirksames Mittel, wie das Beispiel aller anderen Wirtschaftsbereiche zeige. Erreichen ließe sich mehr Produktivität in der Gesundheitsversorgung laut Dossier durch Vermeidung von Leistungskosten mittels Prävention und Leistungssteuerung.

Außerdem brauche es eine organisatorische Integration unter Kosten-Nutzen-Aspekten und eine Steigerung der Effizienz der integrierten Versorgung mittels technischer und datentechnischer Innovationen.

Wie diese aussehen könnte, wird in dem Dossier anhand eines fiktiven Herz-Op-Patienten dargestellt, der zu Hause telemedizinisch betreut wird. (pei)

Das knapp 100-seitige Dossier kann unter http://bit.ly/Y0ko1C kostenlos heruntergeladen werden.

|

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Top-Meldungen

Arzthonorar: In den KVen geht es um bis zu 120 Millionen Euro

Im Herbst verlagern sich die Honorarverhandlungen der Kassenärzte auf die Ebene der KVen. Wie viel Geld es gibt, hängt auch von den verschlüsselten Diagnosen ab. mehr »

Kampf gegen Unterversorgung: Gröhe kündigt Zuschläge für Hausärzte an

Der Sachverständigenrat hat seine Vorschläge konkretisiert, wie die Unterversorgung in ländlichen Regionen bekämpft werden kann. Minister Gröhe zeigt sich von vielen Ideen begeistert - und kündigt Vergütungszuschläge für Hausärzte an. mehr »

Bahr: Ex-Gesundheitsminister heuert bei PKV an

16:24 Der ehemalige Gesundheits­minister Daniel Bahr arbeitet künftig für einen privaten Krankenversicherer - und wechselt also in die Branche, für die er einst zuständig war. Dieser Schritt ruft unterschiedliche Reaktionen bei Ärzten, Gesundheitspolitikern und Ärztevertretern hervor. mehr »